Reisebericht von David Straub

Updated: Jun 2


Seit dem 29.03. des Jahres bin ich nun in Haiti und möchte Ihnen als Interessenten, Paten, Spendern und/oder Mitgliedern berichten, was uns den April über beschäftigt hat. Ich kann Ihnen versichern, dass die Lücken im Text in der Realität von mannigfaltiger Arbeit angefüllt war, seien es tägliche Entbindungen und andere Notfälle in der Ambulanz, die zähe, zeitraubende Buchhaltung, Reparaturen, Besorgungen und all die alltäglichen Unvorhersehbarkeiten.

Der April war dabei besonders von der Vorbereitung, Durchführung und Korrektur der Examen geprägt.


Der erste Examenstag ist am 02.04., der letzte am 06.04. Den Großteil der Korrekturen übernimmt Dr. Anke Brügmann, ich korrigiere weitgehend sprachfreie Aufgaben oder Mehrfachauswahl-Aufgaben.




Die Schüler, die gerade nicht Examen schreiben, bekommen einen Film gezeigt. Fifi kommt immer gut an. Am meisten lachen die Kinder über Fifis Ungehorsam oder wenn die feine Dame ein Missgeschick erleidet. Auch Tommi und Annika mögen sie sehr gerne.



Manchmal ist der Unterricht bei uns richtig spannend.




...ansonsten gibt es immer noch die Pausen.


An den Sonntagen feiern wir kleine Gottesdienste, die Office ; vor alle seit Corona direkt im Waisenhaus. So haben wir außerdem die Möglichkeit, die Geschichten und Hintergründe auf kindgerechte Weise zu erklären.



Wir feiern Palmsonntag mit einem kleinen Umzug.


Am 15.04. beginnt mit Karfreitag die Osterzeit. Um den Kindern ein wenig Unterhaltung und Kontakt zur eigenen Ortschaft zu bieten, werden sie in Gruppen in die Stadt gefahren, um Ra Ra zu sehen. Das sind bunt gekleidete Gruppen, die tanzend und Musik machend durch die Straßen ziehen.




Am 17.04. ist Ostersonntag und großer Kirchenbesuch. Danach wird den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen gemeinsam ein opulentes Essen aufgetischt. Es werden alle Geburtstage seit Mitte November 2021 nachgefeiert, in Dr. Anke Brügmanns Abwesenheit wurden die Geburtstage leider überhaupt nicht gefeiert. Außerdem werden Süßigkeiten im Klassenzimmer versteckt und gesucht.




Ein Beispiel für einen der vielen Patienten, die täglich vor unserem Eingangstor auf eine Behandlung warten. Dieser Junge wurde während der Ostertage, als die Straßen voll und unruhig waren, von einem Motorrad angefahren.


Am 21.04. besucht unangesagt, aber nicht überraschend ein Inspektor vom Subventionsprojekt Ayiti li unsere Schule. Er ist freundlich und befindet die Umsetzung an unserer Schule als sehr gut.








Von der Initiative Ayiti li bekommen wir seit einigen Jahren besonders gute Schulbücher zur Verfügung gestellt, die auf dem freien Markt gar nicht erhältlich sind. Dafür muss unser Unterricht einige Auflagen erfüllen (z.B. sollte der Unterricht auch tatsächlich stattfinden… und es gibt ein eigenes Lied, das gesungen werden soll), die immer wieder durch Inspektoren geprüft werden.


Ebenfalls am 21.04. ist auf der Baustelle des nördlichen Schulgebäudes Betonagetag. 5 Jugendliche aus Nan Ginen (dem ursprünglichen Standort des Waisenhauses, von dem seit dem Bau der Nationalstraße der Umzug ins höher gelegene Fontrankil geplant wird) werden zum Helfen an der Baustelle abgeholt. Der Einsatz ist kurz und intensiv. Die Jugendlichen helfen gut mit, reißen Witze und möchten dann so schnell wie möglich nach Hause.




Konzentrierte Gelassenheit während der Vorbereitung der Betonnage…




…hektische Betriebsamkeit am Betonagetag. Das Banner gehörte für Jean-Vanex, Stanley und ihre Leute dazu wie die Fahne in der Fankurve der Bundesliga.




Bei den Plänen gibt es keine Sprachbarriere. Stanleys bautechnisches deutsches Vokabular ist beeindruckend.



Vom 22. bis zum 24.04. wird die Ambulanz ausgeräumt, grundgereinigt und neu sortiert. Viele Kisten sind von Ratten oder Insekten angefressen oder bewohnt.



Im Vordergrund waschen eine Betreuerin und zwei junge Erwachsene die wenigen wirklich guten Behälter, die uns zur Aufbewahrung zur Verfügung stehen. Weiterhin stapelt sich im ganzen Saal medizinisches Material wie Medikamente, Bandagen, Gipse, Spritzen usw.


Am 25.04. Besuch eines Inspektors vom Schulministerium. Auch hier ist der Kontakt unproblematisch, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war.


27.04. Besuch der Häuser in den Ortschaften Kalakou und Digotri, die im Rahmen unserer Erdbebenhilfe 2021 von uns aufgebaut wurden. Die Menschen sind vor der Kamera schüchtern, aber im persönlichen Kontakt sehr dankbar.




Beispiel für eines der ca. 50 von uns gebauten Häuser. Die Familien bekommen Material für Holzgerüst und Dach gestellt, bei Transport und Bau helfen sie mit, und für weitere Elemente (z.B. eine Wand aus Flechtwerk oder Planen) sind sie selbst verantwortlich.


28.04. Zeugnisausgabe für die Vorschule und 1. und 2. Klasse. Die Zeugnisse werden den Eltern jedes Schülers von Dr. Anke Brügmann oder Valleur Noël erklärt, weil viele sonst die Bedeutung der Noten nicht einschätzen könnten. Die Menschenmenge ist entsprechend groß.



Am 29.04. Lehrerkonferenz, Besprechung der Prüfungsergebnisse und wie auf schwache Schüler besser eingegangen werden kann.


Zum Schluss noch ein paar Fotos aus dem alltäglichen Leben im Waisenhaus :




Ein sonntäglicher Ausflug durch die Wälder der Umgebung. Leider kommen die Kinder unter der Woche kaum aus dem Waisenhausgelände heraus, weil die Zeit oder die Leute fehlen. Weiter entfernte Ausflugsziele sind aufgrund der derzeitigen Sicherheitslage kaum möglich.




Mensch ärgere dich nicht ist ein beliebter Zeitvertreib.




Weitere Freizeitaktivitäten : Kreistänze mit Gesang. Wenn ein Junge ein Mädchen heraussucht (oder andersherum) ist es sehr wichtig, sich erst einmal zu zieren und wegzulaufen.


Damit kommt mein Bericht für den April zum Ende. Schauen Sie gerne bald noch mal auf unserer Website vorbei ; da ich mit dem April so spät dran bin, wird der Maibericht in kürzerem Abstand folgen. Außerdem werde ich bei Gelegenheit auch einige persönliche Erfahrungen über das Leben in Haiti teilen.


Bon jounen !

David Straub



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