• menkontre

3. Reisebericht von Dr. Waltraud Schippert Juni 2021

Updated: Aug 17, 2021

1.6. Hundegebell vor 5, d.h., Anke ist losgefahren, erst Hugo abholen, dann nach PaP Ich gebe meine Wäsche raus zum Waschen und trinke mein Kaffee mit Milch und trockenes Weckle bei den Jungs Ich stell den Steri an. Eine Köchin beklagt sich lautstark darüber, dass sie zuerst früher kommen soll und jetzt das, ich vermute, sie meint die reduzierte Arbeitszeit, weil es seit heute ( haben Anke und Valeur gestern so entschieden) wegen zunehmenden Coronainfektionen in Haiti kein Schulessen mehr geben soll. Um 8.30 verteile ich entsprechend meiner Liste die inzwischen eingetroffenen Griseofulvin Tabletten an die Schüler. Der/die Lehrer/in ruft den Namen auf, lässt dann ½ oder 1 ganze Tablette in den offenen Mund gleiten und ich gieße einen Schluck Wasser in den Mund, ohne ihn zu berühren. Meistens geht so das Schlucken problemlos, aber manchmal haben die Kids die Tablette nach dem 10. Schluck immer noch im Mund. Es braucht bis ca 11 Uhr, bis die Tbl verteilt, sind. Die kleinen Mädchen bekommen sie erst zum Mittagessen. Dann stell ich das Wasser beim Steri aus—da ist schon eine ganze Menge nachgelaufen. das ich erst vorsichtig rauslaufen lassen muss, um keine Überschwemmung zu machen. Dann wird eine weinende Kettlie reingeführt, die starke Bauchschmerzen hat. ich gebe ihr ein krampflösendes Medikament, da kommt Valeur rein. Er wurde wegen Kettlie von der Schule angerufen! Er telefoniert mit Anke, die gesund in PaP angekommen ist, dann ich auch. Sie sitzt bei Dieuseul auf der Intensivstation mit 30 Betten in einem Raum. Dieuseul wird als Kind behandelt, sonst müsste sie so wie Hugo auch draußen warten. Der Chirurg will kommen, aber keiner weiß, ob der eine Op am Pankreas machen kann/ will. Ich schau mir mal an , was in den Schachteln auf 1 Schrank im Behandlungszimmer ist und beschrifte die Kartons. Dann geh ich zum Mittagessen runter. Wir warten und warten. Ich lass die Kids Hoppe Reiter reiten, erfinde ein französischen Text dazu und endlich um 15,15 kommt das Mittagessen, es sei nur 1 Köchin da! Sind die im Streik?? Sehr kurze Siesta, bisher noch keine Krankenliste—gut so! Wir schauen unten Kleiner-Eisbär-Film an .3 Jungs spielen mit Gummiringen Werfen. Derjenige, der den 1 Gummiring trifft hat gewonnen. Zum Abendessen gibt’s Orangenlimonade und 1 Weckle. Ich geh bald ins Bett.

2.6. Sobald ich auftauche, zeigt mit einer der Jungs eine Wunde( auch wenn sie schon älter ist) und möchte verarztet werden mit Salbe und möglichst ein weißes Plaster. Wenn sie ein braunes bekommen, weil das besser klebt, sind sie enttäuscht. Ich geh ins Behandlungszimmer und seh den Notfallrucksack—Anke ist zurück. Das heißt aber auch: Dieuseul wurde nicht operiert. Ich messe bei ihm Temperatur: gut 38° und geb ihm sein Antibiotikum und trotz seines Protestes auch eine neue Flasche NaCl per Infusion. Kaffee ist oben bei Anke, also schläft sie nicht mehr. Um ca 18 Uhr kam wohl der Chirurg und war sehr kurz angebunden. man müsse zuerst das Blutbild abwarten. Das kam am nächsten Tag: Leukos erhöht auf 10000, sonst unauffällig. Er wollte eine neue Ultraschalluntersuchung bei jemandem, der auf der anderen Seite von PaP ist. Anke meinte, ob sie die nicht auch in Les Cailles machen lassen könne, das sei ungefähr gleich weit, aber er lehnte ab. Irgendwann erwischte sie den anderen, etwas gesprächigeren Arzt und hat gefragt, ob sie eine CT-Untersuchung in Les Cailles akzeptieren würden und bekam gegen 18 Uhr die Antwart: ja. Dann fuhren sie zurück und waren um halb 11 da. Zur Zeit ist der Aufenthalt in jedem Krankenhaus wegen Corona gefährlich, ich bin froh, daß ich Anke ein paar FFP2-Masken mitgegeben habe! Lajou gibt mir mein Handy mit einer haitianischen Simkarte—es funktionniert wieder!! ich kann meine 136 Whatsapps und 13 Threemanachrichten lesen und einige beantworten, prima! Wieder Verteilung der Griseofulvintabletten in den Klassen. Manche der Kleinen haben Probleme, die halben Tabletten zu schlucken, aber v.a. die Großen der 2. Klasse machen Probleme. Da sind sehr gute Schauspieler dabei! Beim Letzten sag ich: wenn du deinen Pilz behalten willst, dann lass es eben sein mit der Behandlung! Menkontre zahlt viel Geld dafür, du bekommst sie gratis und wenn du nicht willst, ist mir das jetzt egal. Und dann streich ich ihn von der Liste. 2 Lehrer haben mich schon gefragt, ob wir nicht auch bei jedem Schüler die Krätze behandeln könnten, aber nach diesen Erfahrungen werde ich davon abraten. Es müsste ja auch oft die ganze Familie behandelt und sehr viel Wäsche gewaschen werden. Bei Anke ist Lajou wegen der Abrechnung, dann kommt Valeur und bringt die schlechte Nachricht, daß wegen Corona ab dem 11.6. die Schulen geschlossen werden sollen. So steht es zumindest in der Regierungszeitung! Ich geh duschen und spiele danach mit den Kleinen. Das Mittagessen kommt heute früher als sonst , schon um 13.30 Uhr: Maisbrei mit Bohnensoße, 2 Karottenstücke und 1 Stückchen Fleisch. Dann sollte Siesta sein, aber entweder knallen die Türen bei dem Wind oder es singen oder schreien die Kleinen und als dann einigermaßen Ruhe ist, kommt mit lauten Grunzen ein Schwein daher. Nix mit Siesta! Vor dem Tor ist ein 2-Monate altes Baby mit einer flächigen Wunde am Hals, das wird als Einziges behandelt. Es dürfen ab sofort nur noch Notfälle, Babys und Frauen zur Entbindung rein. alle Anderen werden weggeschickt. Danach übe ich Lesen mit 2 schwachen Schülern. Eigentlich sollen sie abwechseln lesen, aber es wird immer vorgesagt und wenn ich einer den Mund zuhalte, lacht sich der andere kaputt. Um 6 hat Dieuseul wieder 39,1° Fieber und Schmerzen. Paracetamol und Schmerztablette, eine neue Infusionsflasche, weil er einfach viel zu wenig trinkt, Anke will, daß ich die wieder verschlossene Drainstelle spreize, damit der Eiter ablaufen kann aber ich weigere mich, das zu übernehmen. Und schon ist wieder Abendessenszeit, etwas lesen und dann geht´s bald ins Bettle.

3.6.Die Entscheidung ist gefallen: Anke und ich behandeln nur noch absolute Notfälle (was ein Notfall ist, entscheiden wir am Tor), Banys bis zu 1 Jahr und Scwangere, die zur Entbindung kommen. Unsere Lehrer werden morgen vor die Entscheidung gestellt, ob sie nach dem 11.6. weiterarbeiten möchten als Nachhilfelehrer von 8-13 Uhr , dann wird das Gehalt weitergezahlt oder nicht, dann ohne Gehalt. Heute ist Feiertag, Fronleichnam, aber ohne große Prozessionen wegen Corona. Anke und ich machen mit den Großen Einen Ausflug zur Grotte. Sehr schöne Abenteuerwanderung! Den letzten Abstieg machen nur ein paar mit Anke, ich bleib sehr gerne bei den anderen zurück. Wieder zurück geht´s erst mal zur Dusche.

Ich will gerade losfahren, um Valeur zu holen, da kommt erst mal Vegnell angerannt, vor dem Tor liege ein Mann , der einen Motorradunfall gehabt hat und alle Zähne verloren habe.. Ich fahr erst mal Kettlie suchen und dann Valeur abholen. In Nanginè laden wir 6 große Kisten mit Bibliotheksmaterialien auf und bringen sie nach Fontrankil. Valeur kauft für mich ein Bier—dankeschön, anscheinend kennt er mich als Biertrinkerin??? Ich wird heute Abend ein Geburtstags-Radler auf Steffi und Birgit trinken!–, für Anke einen Ananassaft und für die Kids Eukalyptusbonbons, für jeden 2. Ein Junge hat ein Bonbon auf´s Dach geworfen und möchte, daß ich Räuberleiter mache. Sofort wirft ein anderer auch eins auf´s Dach , ich weigere mich und sage, ,sie seien selber schuld, wenn sie nur noch eins haben. Sendie will mein 2.Bonbon haben, sagt, sie habe keins bekommen. Ich frag erst mal nach, ob das stimmt—tut´s nicht!, ich wird ihr nichts mehr glauben. Temp.bei Dieuseul 37,1, RR bei der Köchin auch gut-prima, reicht jetzt einmal /Woche. Im Zelt steht die Luft. Drin liegt der junger Mann mit dem Mororradunfall. 2 Zähne wurden mitgebracht, die hat Anke wieder in den Kiefer gedrückt, der 3.Zahn wurde nicht gefunden, natürlich ist er mit Begleitung da. Bis zum Mittagessen spiele ich mit den Mädchen. Es gibt: Kochbanane, Yams,Boule, Bohnensoße mit Sepina und etwas Kraut. Danach Siesta, kaum lieg ich, kommt Valeur. Anke meint, ich soll schauen, ob´s dem Verletzten besser gehe. Ich weigere mich. Woher soll ich denn wissen, ob´s ihm besser oder schlechter geht, wenn ich ihn vorher nicht gesehen habe—soll sie selber beurteilen. Temperatur bei Dieuseulsteigt, dazu krampfartige Bauchschmerzen. Ich geb Buscopan, später noch Paracetamol. Anke sreizt die Drainagestelle—es kommt kaum Eiter. Das war ein Mißverständnis mit dem Verletzten: sie hatte schon mit ihm gesprochen und gesagt, er könne nach Hause. Die Frage war, ob ich ihn fahre, wenn die Siesta vorbei sei—das mach ich gerne. Ich sag ihm, er soll aufstehen—er zeigt auf sein Bein ( da ist ein Verband am Knie) und schüttelt den Kopf. Ich sag, er soll sofort aufstehen und siehe da, er humpelt ohne große Schwierigkeit zum Auto. Anscheinend ist er als Schluri bekannt, macht dauernd Ärger, fährt ohne Führerschein Auto und Motorrad….Er wohnt mit Mutter und Frau in einer der Sozialwohnungen unterhalb Nangines und da fahr ich ihn und seine Begleiterinnen hin.

Danach spiele ich mit den Jungs: 7Jungs, jeder 3 Steine. Im Abstand 2 Bänke, dart muss 1 Stein nach dem andern abgelegt werden. Wer als erster die 3 Steine dort hat, der hat gewonnen. So war zumindest der Plan. Die bescheißen , wo´s geht: einer packt die 3 Steine auf ein mal, der Andere bringt Steine von anderen zurück und wenn ich schimpf, lachen sie mich aus. Nach 3 Versuchen mit großem Gelächter geb ich auf. Die machen das mit Absicht falsch, da bin ich sicher. Ich trink mein Radler, dann gibt´s Abendessen: Casava( Maniokfladen) mit Erdnussbutter und Ingwertee.

4.6.Nachdem nur feststeht, daß nur noch 1 Woche Schule ist und bisher keine Lieferung der bestellten Medikamente zugesagt wurde, werde ich die Behandlung auf die Schüler mit starkem Pilzbefall beschränken, damit sie dann auch genug Tabletten für die Weiterbehandlung zuhause haben. Unsere Waisenkinder werden ihre Tabletten beim Mittagessen (die Mädchen) und Abendessen( die Jungs) bekommen. Anke wird zu einem Kind mit Krampfanfall gerufen. Ich bekomme die Nachricht auf mein jetzt funktionierendes Handy, daß die Fluggesellschaft eine wesenliche Änderung an meinem Rückflug Jeremie-PaP vorgenommen habe, erreiche aber niemanden unter der angegebenen Telefonnummer. Na ja, ist ja noch lange hin.

Anke ( und nicht nur sie!) macht sich Sorgen um Dieuseul. Er hat 2 Antibiotika, trotzdem ist die Temperatur zwar morgens relativ niedrig bei ca 38°, aber abends über 39° und er klagt über Schmerzen an neuen Stellen wie der rechten Schulter, später am Oberschenkel rechts, was laut Anke auf eine Sepsis hinweist.

Mittagessen: Reis mit Sauce mit getrocknetem Hering und ein paar heute nicht verkochte große Hornchen, die hier Maccaroni heißen. Danach Siesta—also Stille, ich les in einem Buch. Marianne hat das Klo geputzt und das gebrauchte Klopapier aus dem Karton verbrannt. Dazu ein voller Eimer mit Wasser zum Duschen –wunderbar! Danach beginne ich, Quittungen von 2021 in den PC zu übertragen. Anke erklärt mit die Buchhaltung. Es gibt getrennte Quittungen für: Küche, Schule, Landwirtschaft, Waisenhaus … mit extra Kontoauszugs-Ordner, die eignen sich prima für die Quittungen Ich beginne mit dem Eintragen der Quittungen von der Küche und frag mich, ob es wirklich irgendjemand interessiert, wieviel Säcke Reis, Kohlköpfe und Jams auf dem Markt von Samstag zu welchem Einzelpreis gekauft worden sind. Anke meint, das sei unbedingt notwendig, 1. wegen der Transparenz, was wann mit den Spendengeldern gekauft wurde und 2. damit nichts unterschlagen werden kann. Also lern ich erstmal, was für Größeneinheiten es hier gibt: Stück,kg, Paket und Sack ist klar, aber was ist 1 marmite, ein lot, 1 aune, 1 grenn?? Also: 1 Marmite ist eine große Blechdose, in die ca 2,5 kg passt. Gut für´s Abmessen von z.B.schwarzen Bohnen oder auch Reis… 1 Grenn ist 1 Stück, 1 Lot ist ein „Haufen“ gestapelter Lebensmittel, z.B.Tomaten: unten 6, darüber 3, oben 1. 1 Aune ist eine bestimmte Schnurlänge, auf die kleine Fische aufgefädelt wurden.

Dann die Zuordnung: „ki“ für kreyol kisin (=Quisine= Küche), „1“ für etwas, das mal anfassen kann wie Nahrungsmittel oder Holz fürs Feuer oder ein „3“ für etwas Immaterielles wie z.B. Gehalt oder Gebühren und „ali „für Nahrungmittel, „mm“ für Holz, Kohle….Ich denke, jeder Buchhalter in Deutschland hätte seine Freude daran!

5.6. Nach dem Frühstück Sortie der Kids. Ich versorg Dieuseul mit Antibiotikum, hänge neue Infusion an und mach dann mit der Buchhaltung der Küche weiter. Um 17 Uhr brennen mir die Augen, also geh ich zu den Jungs, , verarzte 7 von ihnen mit Mini-Verletzungen. Jeder findet irgendetwas und wenn´s eine kleine Narbe ist. Ich ruf sie einzeln ins Behandlungszimmer und sie dürfen wählen, ob sie ein weißes oder braunes Pflaster mit etwas Jodsalbe drauf wollen. Danach erzähle ich ihnen erfundene Geschichten, sie können nicht genug davon bekommen 19.15: Weckle mit warmem Ingwertee. Anke hat tatsächlich für morgen, Sonntag, um 11 einen Sonographietermin für Dieuseul bei einem Arzt in Les Cailles bekommen!

6.6. Ruth hat Geburtstag!!!! Und Annette auch! Wir bekommen Lebensmittel mit für Camp Perrin (CP), jemand, der Betreuung und Verwaltung der beiden Häuser in CP und Les Cailles übernehmen soll fährt auch mit und dann noch eine Frau mit 2 ½-jährigem Mädchen, die in Les Cailles wohnt einschließlich ihres Gepäcks. Dieuseul sitz auf dem Beifahrersitz, damit er sich ein bißchen zurücklehnen kann. Nach ca 1 km fängt das Mädchen an zu husten und Anke verlangt, daß si zum Schutz von Dieuseul ein Maske anziehen soll. Die hat die Mutter für das Kind nicht dabei und ich geb ihr eine meiner wenigen FFP2-Masken, damit sie im Auto bleiben darf. Wir fahren durch eine schöne Gegend mit Obstbäumen und einzelnen Palmen auf der hervorragenden neuen Straße durch die Berge. Leider leider ist an der Straßenseite kein Weg für die vielen Fußgänger, die jetzt auf einer guten Straße mit entsprechend schnellem Verkehr immer wieder in die Abflussrinne springen müssen. In Camp Perrin laden wir die Lebensmittel aus, Anke spricht mit dem zukünftigen Verwalter und ich bestaune die Aprikosen auf dem Baum dort. So groß wie ein Staußenei, ähnlich wie eine sehr große Mango, muss man schälen, also unsere Aprikosen sind ganz anders. Auf einer Umgehungsstrasse geht´s nach Les Cailles und Anke findet auf Anhieb die Praxis. Typisch Deutsch: wir sind 5 vor 11 Uhr da. 2 Patienten sitzen schon da. Kurz vor halb 12 kommt der Arzt, wahrscheinlich direkt von der Kirche und bald dürfen wir rein. Er nimmt sich über 1 Stunde Zeit zum Sonografieren. Findet außer den beiden bekannten „Zysten“( 1 an der Leber, 1 am Pankreas) auch vergrößerte Nieren mit Verkalkungen. DS soll viel trinken! Er schließt einen Pankreaskrebs nicht aus. Er schreibt noch 1 Bericht, Anke bezahlt und dann fahren wir zum Gelände von menkontre am Rand von Les Cailles auf einer abenteuerlichen Straße durch eine Furt am Haus von Hugo´s Bruder (dort kurzer Stop ) vorbei. Schöne große runde Kiesel in der Mauer ums Gelände. Innen 2 Holzhäuser mit Wellblechdächern, davon eines mit 2 Solarpaneelen, 1 Klohäuschen und schön angelegten Rabatten. Ein Gemeinschaftsplatz ist vorbereitet, das Dach fehlt noch. Anke spricht zuerst mit den Studenten, dann mit dem zukünftigen Verwalter, lasst sich Quittungen bringen( bei einigen fehlt noch etwas) ich trink Kaffee und mach Fotos Über 2 kleinen Feuern stehen 2 große Töpfe, 1 mit Reis und einer mit Sauce, angeblich mit „Piment“, sieht aber wie Bohnensoße bei uns aus. Sehr nette Studentinnen und Studenten! Wir bekommen einige Veritables gepflückt und fahren dann zu einem Deutschen Ehepaar, das für uns 2 Druckerpatronen geliefert bekam. Sie fahren vor zur Straße und führen uns zu ihrem Haus. Es gibt kühle Getränke, Wasser mit Eis und—deutscher Streuselkuchen! Ich ess 2 Stücke und wir bekommen noch was eingepackt für morgen- total lieb! Dieuseul geht es zunehmend schlechter, bekam schon 1 Tbl Tilidin, die aber nichts gebracht hat, so daß wir schnell wieder aufbrechen. Schade, sind interessante und nette Leute und ich hätte mich sehr gern noch weiter mit ihnen unterhalten. Es ist Schlosser und arbeitet in einer( oder 2?) Berufsschulen, sie Physiotherapeutin. Eigentlich hatten sie einen Vertrag über 3 Jahre abgeschlossen, das war vor 23 Jahren! Die Schmerzen von DS sind im Unterbauch—hat er vielleicht Nierenkoliken?? Wir fahren direkt zurück, DS stöhnt die ganze Fahrt über fürchterlich. Er bekommt gleich 2 Ampullen Buscopan + Infusion und die Anweisung, 3 l/ Tag zu trinken.

7.6.Frühstüch: Spaghetti—ich vermisse mein Gsälsbrot (= Marmeladenbrot) zunehmend! Antibiotikum an DS, Antipilztabletten an Schüler, dann trage ich wieder die Quittungen der Küche in den PC ein. Ich fahr mit Vegnell zu Hugo´s Geschäft, dort holen wir Säcke mit Reis und ein 125kg-Sack mit Bohnen, zig Kanister mit Öl und Kisten mit Fischen ab. Es gibt 2 Fuhren. Wir bereiten mit Sonie über 100 Tüten für die Vorschulkinder vor mit: 1 marmite Reis ( also ca 2,5 kg),1 Becher schwarze Bohnen, 3 Päckle Spaghetti, 1/2 lÖl und 1 geräucherter Hering. Die Eltern eine stabile Tasche mitbringen, weil die Tüten schnell reißen. Um 1 ist alles fertig ,einige Eltern sind da, aber niemand mit Tasche! Also wird die Verteilung auf morgen verschoben. N ach dem Mittagessen trag ich weiter Quittungen ein, bis ich von den Mücken aufgefressen werde ( trotz Ombia Antimückenspray, das taugt nix! Autan war deutlich besser) und ins Bett flüchte .

8.6 AB ab DS, Griseofulvin an die Schüler, eintragen in den PC, um 11 wieder Tüten richten. Um 1 geht’s in die Klassen Die Kinder sitzen auf ihren Plätzen und jedes bekommt 1 große Tüte vor sich gestellt. Erst wenn jedes 1 Tüte hat, gibt´s Fotos ,Plastiktüten im stabile Taschen oder in den Rucksack und dann dürfen die Schüler gehen. . Die Eltern müssen vor dem Tor auf sie warten. Nachmittags wieder heftiger Regen. Die Erde klebt einige cm an den Sohlen, ich geh wie auf Eiern. Abendessen: frischer Ananassaft zum trockenen Weckle. So einen guten Saft hab ich selten getrunken. Die Ananas wurde gerieben, dass der Saft mit ganz feinen Fruchtstücken fließt, dann v.a. der Saft aufgefangen. Alle sind ganz wild drauf, ich auch !Deborah hat Conjunktivitis bds, ihr tun die Augen weh. Gut, daß bei der letzten Lieferung die Augentropfen dabei waren. Davidson ißt nicht- kein Fieber- bekommt SRO zu trinken und trinkt auf Anhieb fast ½ Liter! ( Seither fängt er an zu schreien, sobald er so ein Päckchen mit Pulver sieht, weil er was davon haben will. schmeckt ja auch schön süß). Anschließen noch für eine gute Stunde Buchhaltung, es geht immer schneller.

9.6. Routine: Frühstück bei Anke, Antibiotikum für Dieuseul, Tabletten an Schüler, kleine Wunden versorgen. Dann nach Nanginé, Tüten abfüllen für die 3. und 4.Klasse . Nachmittags für ½ Stunde Leseübungen oder Rechenaufgaben mit 3 Schülern. Heute gibt´s 1 Film! Anke versorgt in dieser Zeit einen Mann mit einer tiefen Wunde mit Knochenbruch an der Stirn nach Motorradunfall. er ist auf etwas Spitzes gefallen und hatte wie die Allermeisten hier keinen Helm auf. Er kommt ins Zelt. Dieser Mann kommt aus einem Dorf von der anderen Seite des Bergs hinter Beaumont, ging in Beaumont nicht ins Krankenhaus, weil er nur 10 $ht hat und ist die 2-3 km hierher gelaufen. Ich erwisch ihn 2 Stunden später, als er ins Gebüsch hinter dem Zelt pinkelt, obwohl das Klo 10 m weiter ist. Zuerst schimpf ich mit ihm und sag ihm, daß das ein Grund sei, sofort entlassen zu werden und dann kommt Anke und mein Schimpfen ist nichts gegen ihres. Ich fahr den Mann nach Beaumont und dort steigt er aus. Später kommt eine Frau zu Entbindung ihres 1. Kinds, hatte aber anscheinend nur Senkwehen und wird nach Hause geschickt. Sie soll wiederkommen, wenn die Wehen alle 5 Minuten kommen. Bei uns sagt man, wenn die Wehen alle 3 Minuten kommen, aber bis die Frauen aus dem letzten Dorf mit dem Mototaxi hier sind, vergeht oft recht viel Zeit.

10.6. AB an Dieuseul. Die Schüler bekommen Tabletten für weitere 4 Wochen mit nach Hause. Damit sie nicht verkauft werden, hab ich die Blister in 2 Teile geschnitten und jeder hat mir versprochen, sie morgens einzunehmen. Danach zum letzten Mal Tüten abfüllen in Nanguine für die 5. und 6 Klasse. Aufregung gleich zu Beginn: der Raum ist vergittert und 6 Tüten waren in einem Regal vom Vortag übrig geblieben. Irgend jemand hatte eine Tüte „geangelt“ und dabei etwas zerrissen, so daß Reis auf dem Boden, Fenstersims und außen am Haus war.Nach einer gehlten Stunde wurde dann angefangen mit dem Abfüllen. Bald waren die leeren Flaschen fürs Öl aus—wieder Pause. Irgendwann zwischendrin wurde ein neuer Sack Reis aufgemacht und war voll von Mäusekot—Igitt! Der nächste Sack war ok, es wurde ein bisschen weniger Reis in die Tüten gefüllt als vorher. Dann noch ein Sack mit Mäusekot. Es reichte knapp für alle, aber jetzt war doch deutlich weniger in der Plastiktüte als am Anfang!

Heute hat Altagrace ihren 19,Geburtstag ! Wir feiern mit dem Steuselkuchen, den wir im Kühlschrank aufbewahrt hatten und einer Ananas, die ich geschenkt bekommen hab. Wenn man das alles in 25 Stücke teilt, sind die Stücke schon sehr klein, aber immerhin! Ilson sperrt den Mund weit auf und heult, als ich mit dem Teller weitergehe, er bekommt noch ein paar Brösel dazu. Mein Geschenk an Altagrace; ein Kuli schön verpackt.

11.6. Letzter Schultag. Erstmal springt der Motor nicht an. Die Batterie ist endgültig hin. Also lauf ich mit Valeur nach Nanguine. Valeur hielt eine lange Ansprache ( auf kreyol, ich hab wenig verstanden). Die Schüler mussten alle Bücher abgeben , nach Klasse geordnet, dann bekamen sie ihr Caillet (Zeugnis). Ich seh, wie ein großer Schüler ein Mädchen in seiner Klasse auf den Kopf schlägt und geh dazwischen. Frag ihn, wie er heißt: das habe er vergessen. Frag seinen Lehrer , es ist jemand vom Waisenhaus. Später sagt der Lehrer, es sei alles nur Spaß gewesen, auch das Mädchen habe das bestätigt. Na ja, für mich sah das anders aus! Danach ist Lehrerkonferenz. Jedem Lehrer werden 2-maximal 5 Schüler vom Waisenhaus zugeteilt bis zum offiziellen Ferienbeginn am 7.7.. Ich lauf mit Altagrace zurück .Nach der Sies wieder Quittungen eingetragen, jetzt bin ich bald fertig, allerdings fehlen noch viele Belege! Anke gibt Ronise genaue Anweisungen, wann sie was mit den Kleinen machen soll, wann sortie ist, wann Bewegungsspiele, erzählen und erzählen lassen, Sport, Singen…

12.6. Nach dem Frühstück Sortie für die Kids, wobei die Betreuerinnen darauf achten müssen, daß kein Kontakt zu anderen Leuten besteht. Ich geh mit Anke einen Teil der Bilder durch, die ich gemacht hab. Mir fehlen viele Namen, praktisch alle, die nicht hier in Fontrankil wohnen ! Ich frag die Jungs, ob sie ein Bild für ihre Pateneltern malen wollen und alle sind sofort mit Begeisterung dabei!Ein paar Mädchen kommen und wollen auch malen, aber die vertröste ich auf den nächsten Tag.

So 13.6.Anke macht Kinderkirche , es geht um Jesus als dem guten Hirten. Was macht ein schlechter und was ein guter Hirte. danach ist kurze Besprechung der Erzieherinnen und ich(Wolf) spiel mit den Kindern(Schafe) und Ronise (guter Hirte) nach, wie der gute Hirte seine Schafe verteidigt. Die Kids machen super mit, blöken oder meckern, schreien , wenn sie den Wolf sehen, flüchten sich zu Ronise, wenn der Wolf angreift und Ronise verjagt mich mit ihrem Stecken unter Freudengejohle der Kids. Dann kommen die Mädchen dran , sie dürfen endlich ihre Bilder für ihre Pateneltern machen! Ich trag die letzten Quittungen in den PC ein..in der Sies schlaf ich über eine halbe Stunde tief und fest( mit Oropax natürlich) Dann kommen die Jungs. ob sie nicht nochmal ein Bild malen dürfen? Dürfen sie, sehr gerne! Danach Gejohle weiter unten: Ronise macht Topfschlagen! Da sind die Jungs natürlich sofort mit ihrem Bild fertig und wollen beim Topfschlagen dabei sein. Ich schau zu, wie Paté gemacht wird: Hefeteig mit Mehl,Wasser,Öl ,Salz,Piment und Maggi. Füllung mit feingeschnittenem Kohl, Karotten, Paprika,Zwiebel,Knoblauch und gewürzt mit bißchen Salz,Piment,Maggi. Teigtaschen dann in Öl gebacken—Sooo lecker! Allerdings gibt es einige Kids hier, die das nicht gerne essen, die lieber übrigen Reis von mittags möchten. Wir haben einen Jungen hier, der in Nanguine Probleme machte, er schläft erst mal bei den kleinen Jungs hier.

14.6.Frühstück: Spaghetti, danach fahre ich die 4 Großen zum „Nachhilfeunterricht“ nach Nanguine, weil Anke mit einem krampfenden Kind auf dem Arm ins Behandlungszimmer kommt. War bei Bewußtsein, die Zähne fest zusammengebissen, konnte nicht sprechen. Diazepamrectiole ohne Wirkung. Passt irgendwie in kein Krankheitsbild, das wir kennen—Anke will Meldung an das „ Gesundheitsministerium“ machen, vielleicht steckt ja auch ein Wurmbefall des Gehirns hinter den gehäuften Krampfanfällen? Danach Duschen und Email checken—wie toll, von daheim zu lesen! Ich nütze diese unverhoffte freie Zeit, um an meinem 3. Reisebericht zu schreiben. Um 11 kam eine schwangere Frau mit Wehen von einem Dorf hinter den Bergen mit ihrem Mann. Anke untersucht sie: keine Wehen, aber eine massive Infektion des Urogenitaltrakts. Leider haben wir keine Tabletten dagegen( die sind nicht geliefert worden )und müssen iv behandeln. Sie muss also hier bleiben. Ihr Mann will schnell nach Hause, um ihre Sachen zu holen, er sei in 1 Stunde zurück. Nach 6 Stunden ist er immer noch nicht da. Keiner, der hier „ stationär“ ist, darf alleine sein, weil wir ja kein Pflegepersonal haben. Entsprechend klar ist das, was sowohl ich als auch Anke der Frau sagen: entweder ihr Mann oder jemand anders kommt oder sie muss gehen. Ich gebe die 2. Dosis AB iv,.da kommt der Mann. Ich geh, denn ich versteh nichts von dem , was er sagt.

Abends Film für die Großen: ziemlich beste Freunde. 2 dürfen nicht zuschauen, weil sie sich geweigert haben, nachmittags zu lernen. Es sei genug, wenn sie vormittags Schule hätten. Entscheidung von Anke, ich sag nix.

15.6.Frühstück, letzte AB-Dosis, dann kann die schwangere Frau mit Tabletten nach Hause. Duschen, lesen, schreiben. Mit kleinen Kids spielen. Dann will ich nach Nanguiné , Fotos von den Kids dort machen, aber der Motor startet nicht trotz neuer Batterie. Anke kommt und zeigt mit,wo man mit einem Stein draufklopfen muss ( am Pluspol) , danach springt der Motor an. Fotos von einigen Kindern, dann ist es schon 13 Uhr und ich fahr mit den Großen und Valeur zurück. Die Jungs wollen nach der Siessta wieder Bilder für ihre Paten malen- da sag ich nicht nein!Kleiner Aufsatz von Kettlie auf englisc—mir fällt weder ein, was Schulbank, nach was Tafel auf englisch heißt—irgendwie peinlich! Anke zeigt Harry Potter-Film auf Englisch und geht Satz für Satz mit ihnen durch. Ich geb unserer Schwangeren ihr Antibiotikum und Dieuseul Buscopan, er hat Schmerzenim Unterbauch.

16.6.Kürbissuppe mit heute zerkochten Spaghetti und Hörnchen—Suppe ess ich, den Rest bekommen die Hunde AB an die schwangere Frau, dann wird sie mit Tabletten entassen. Guerline kommt mit Briefen und Zeichnungen von Waisenkindern, teilweise von 2020. Ich geh mit ihr die Liste der Kids durch und sag ihr, von wem noch ein Brief fehlt und geb ihr die Zeichnungen der Kids hier mit, auf denen auch etwas auf kreyol geschrieben ist, damit sie es übersetzen kann. Mittagessen, Sies oder auch keine Siesta. Erst reden und lachen die Kids, danach die Erwachsenen. Ich mach Oropax in die Ohren, da klopft es. Die Tochter einer Betreuerin hat einen Anfall. Sie sehe nichts mehr, klopft sich an die Stirn und die Augen, jammert immer; sie lassen mich nicht, sie lassen mich nicht und jammert so herzerweichend und immer wieder Jesus, oh Jesus.Ich kann sie nur in den Arm nehmen und beten, ich weiß nicht, was sie hat. Diazepam ohne Wirkung, die Mutter lässt keine Beruhigungsspritze zu, meint, wenn ihr Gebetskreis betet, sei das eine bessere Hilfe. Irgendwann wird die junge Frau ruhig. Nach gut 1 Stunde sagt sie zwar, es gehe ihr gut, aber sie sieht nichts! Die Mutter bringt sie mit dem Mototaxi nach Hause.

17.6. Seit heute bin ich 69 Jahre alt! Um 6.28 bin ich angezogen, 2 Minuten später klopft es an der Tüt- ich mach auf und da stehen die Kids aufgestellt da mit Anke und singen Geburtstagslieder—ich verkneife mit die Tränen. Nach dem Frühstück, wie immer Donnerstag Spaghetti mit Kraut—kommt dDIE Überraschung: ich soll meinen Badeanzug anziehen, Anke geht mit mir schwimmen! Erst die Großen unten abliefern, dann geht’s zum Fluss Glacé Wir laufen zur Schlucht den Berg runter. Wäscherinnen am Fluss. Überall freundlichen Bonjour, und wie geht’s , 2x auch: ich zeig euch den Weg zum Schwimmen, was sofort höflich dankend abgelehnt wird—wir haben kein Geld dabei. Fluss wird überquert, die Schlucht flussaufwärts, dann sind wir an einer prima Badestelle mit tiefem Wasser, gegenüber felsiger, fast senkrechter Steilhang .Anke klettert ein Stück hoch und springt ins Wasser. Das ist schön kühl, wunderbar klar und mindestens 2 m tief in dem Becken. Danach wandern wir mal auf der rechten, dann auf der linken Seite flussaufwärts, bis wir zu einer Höhle mit Stalagmiten kommen Die Wand am Eingang ist wunderschön mit Moos bewachsen, auf der rechten Seite des Eingangs leuchten grüne Pflanzen und weißblühende Büsche die Steine natürlich glitschig. Beim Rückweg verliert Anke eine ihrer Treckingsandalen im Fluss. Ich hab einen anderen Weg zur Flussüberquerung genommen als sie und seh glücklicherweise den Schuh zwischen 2 Felsen stecken. Leider ist die Sohle halb ab! Wurde wohl schon 2x geklebt. Wenn Anke mal wieder in Deutschland ist, wird ich ihr ein Paar neue Treckingsandalen kaufen!! Zuerst schwimmen wir nochmal , dann geht´s einen Steilhang hoch Richtung Straße. Sobald keine Felsen mehr da sind, wurde etwas angebaut. Die Häuser bestehen teilweise aus Plastikplanen als Wände, später sehen wir ein sehr komfortables Haus aus Steinen. Arm und reich nebeneinander. Alle Leute grüßen sehr freundlich. Wir wollen auf dem Rückweg die Kinder abholen und treffen einige Lehrer und Schüler ohne Mundschutz. Ein Lehrer weigert sich komplett, einen Mundschutz zu tragen, einige Schüler meinen , es sei zu heiß dazu, andere, sie hätten keine Maske, Ein Lehrer zieht betont langsam seinen Mundschutz vom Hals über den Mund…..Wenn ich verantwortlich wäre, hätte ich längst ein Magengeschwür! Angeblich gibt es hier wenig gute Lehrer. Jemanden im nächsten Schuljahr nicht mehr einzustellen, ist deswegen nicht so einfach, wenn dieser Lehrer einen guten Unterricht macht. Wie also bekomme ich die Leute dazu, sich an die Regeln zu halten??

Internetverbindung!! Und so viele Geburtstagsgrüße per email oder WhatsApp von meinen Kinds, guten Freunden und von Leuten, bei denen ich wirklich überrascht bin, daß sie an meinen Geburtstag denken.—Ich bin wirklich ein gesegneter Mensch mit so vielen lieben Menschen um mich zuhause und hier in Haiti!!! Ich geb ein bißle Nachhilfe, heute im Lesen auf kreyol und lerne so nebenbei ein bißchen diese Sprache. Dann gibt zum Film Kiriku für jeden einen Traubenzuckerlutscher von mir!

Eine Betreueruin weint vor Schmerzen still vor sich hin. Sie hat an den Rippenbogen ausstrahlende Schmerzen von der unteren BWS aus Ich quaddel sie, Anke spritzt ein Schmerzmittel.

Danach Geburtstagsfest für mich und die 3 Kids, die seit dem letzten Fest Geburtstag hatten mit Gebet, Gesang ( zu meinem Glück ohne auf dem Stuhl hochgehoben zu werden) und dann Festessen mit meinem Lieblingsessen: Paté ! Große doppelte Portion mit Hühnerfleisch in der Füllung für mich. Und 1 Limonade für jeden, für mich ein 7up. Für jedes Geburtstagskind auch noch 12 Bonbons. Mona behält 1 ½ für sich, den Rest verteilt sie, Altagrace mag nur die Blauen, die andern bekommt Mona auch zum verteilen und ich spar meine für andere Tage auf, es sind ja alle pappsatt!

18.6. In der Nacht hat es heltig geregnet, jetzt ist es schwül und heiß. Die Lehmerde klebt dick an den Sohlen Ich fahr nach Nanguiné mit den 4 Großen und mach dort Fotos von den Kids, die mir noch fehlen. Immer wieder: Zieh die Maske an! Eine meint , sie habe keine- da kommt Sonie und gibt ihr eine neue—blöd gelaufen!-Sie zieht sie unwillig an. Ein anderer meint, sie sei ihm in den Dreck gefallen- die Maske sieht einwandfrei aus-ich sag ihm, er soll sie eben andersrum aufsetzen und nach der Schule gleich waschen. 1 Kind hat seit 5 Tagen Bauchweh und etwas Durchfall, angeblich seit dem Kakao letzten Samstag. Hat der vielleicht eine Lactoseintoleranz? Ich besprech das später mit Anke und die entscheidet: erst mal für 3 Wochen Milch komplett meiden. Das ist hier nicht so schwierig, es gibt nur 2x/ Woche Milch. Bei einer Glutenintoleranz wäre es deutlich schwieriger hier. Aber da meint der Junge: nein, an der Milch liegt das nicht—klar, jeder hier mag den Kakao! Er bekommt trotzdem milchfreie Diät für 3 Wochen verordnet. Ein Mädchen spricht mich an: hatte für 10 Tage eine Behandlung bekommen, aber die Beschwerden seien eher stärker und die Medis aus. Anke will für jedes Kind hier eine Krankenakte anlegen und morgen wollen wir die ersten aus Nanguiné holen und gründlich untersuchen( auch Zähne, Ohren, …), darunter natürlich auch diese Beiden. Valeur fährt mit zurück, steigt aber bei Hugo´s Haus aus. Ich fahr weiter und treff Hugo im Gespräch, sag ihm, Valeur sei bei seinem Haus. In Fontrankil wartet Anke auf Hugo, dessen Vorbeikommen ihr von Lajou angekündigt wurde—- ohne Kommentar! Dieuseul geht´s gut! Es tritt relativ viel Flüssigkeit aus der Drainagestelle, Normaltemperatur, keine Schmerzen. Sehr gut, denn die Situation in PaP ist deutlich gefährlicher geworden. Gestern gab es wohl eine Schießerei mit über 100 Toten und einen „Krieg“ zwischen verschiedenen Banden untereinander und der Sicherheitsbehörde, so daß niemand, der nicht unbedingt muss dorthin fährt. Und auch die „neue“ Klinik besteht auf Untersuchung und CT vor der Planung einer Operation. So hofft und betet jeder, daß diese Fahrt nach PaP zumindest jetzt nicht lebensnotwendig für Dieuseul wird.

Kurz vor 1 fahr ich los, die 4 abzuholen, sie sollen ja laut Anke nicht mehr laufen, weil sie sicher mit anderen Leuten ohne Maske reden. Dann will ich duschen—meine Kernseife ist weg! Blöderweise habe ich sie nicht halbiert und auch noch die Verpackung als Unterlage ins Regal im Bad gelegt. War erst 1x benutzt, sah also aus wie neu. Also nehm ich eben mein Shampoo zum Waschen, ist aber echt blöd, man darf hier wirklich nichts liegen lassen!

Es kommen heute keine Kranken ans Tor. Anscheinend hat es sich herumgesprochen, daß wir wegen Corona die Krankenversorgung eingestellt haben und nur noch Notfälle, Babys und Frauen zur Entbindung hereinlassen. Gut so. Es fehlen immer noch die bestellten Antibiotika für Schwangere und auch das Mittel gegen Krätze, das wir dringend für unsere Kinder hier brauchen! Medikamente zum spritzen ( Schmerzmittel, Valium…) gibt´s hier nicht, werden zumindest nie geliefert und sind jetzt auch aus. Ich spiele mal mit den Mädchen, mal mit den Jungs und immer wieder kommt: erzähl mir eine Geschichte, obwohl ich nicht weiß, wieviel die Kids von meinem Französisch verstehen. Abends gibt er Englischunterricht von Anke für die Großen mit Untertiteln eines Harry Potter Films.

19.6.Frühstück: Brotsuppe mit getrocknetem Fisch und Yams—ich ess nur wenig, den Fisch bekommen Hund und Katz. Die Kinder gehen spazieren, ich geh Duschen. Danach hole ich 6 Kids aus NanGine her zur Generaluntersuchung. Eigentlich hab ich mit Anke besprochen: 5 Kids /Tag. Valeur sagt: ich hab mit Anke telefoniert, es kommen 6. Ich: ok, fahr mit 6 zurück. Anke: wieso 6, wir haben doch 5 besprochen. Ich: du hast doch mit Valeur telefoniert. Anke: nein, nicht heute. Wir untersuchen 1 Kind, dann kommt eine Frau nach TMotorradtaxi-Unfall mit gebrochenem Unterschenkel. Sie bekommt unser letztes Schmerzmittel iv, dann GipsschieneDer Gips bröselt weg, taugt nicht mehr viel. Anke sagt ihnen, daß eine Op notwendig ist. Bis die Leute sich entscheiden, in welches Krankenhaus sie fahren möchten, liegt die Frau erstmal im Klassenzimmer. Ins Zelt kann sie nicht, der Boden dort ist total dreckig, weil die Betreuer des vorigen Patienten immer mit Dreckschuhen drin rumgelaufen sind und als sie gingen nicht geputzt haben, obwohl nke es ihnen gesagt hat. Aber wie will man das kontrollieren, wenn die Leute einfach gehen können wann sie wollen. um 14 Uhr sind wir endlich mit den 6 Kindern fertig und ich fahr sie zum Mttagessen zurück. Morgen nehm ich auf jeden Fall nur 5 mit! Die Anamnese, die Anke erstellt hat, ist so ausführlich, wie ich sie noch in keinem Krankenhaus gesehen habe und einiges nach meiner Meinung doppelt gemoppelt. Ich mach das, was ich für sinnvoll halte, den Rest kann sie ja eintragen, wenn sie will. Nachmittags Zeit zum Lesen. Kettlie klagt über Müdigkeit und Schlaffheit und ich geb ihr 2 Vitaminbrausetabletten. Das war ein Fehler! Dieuseul kommt und sagt, er fühlt sich auch schlaff und will auch eine .Dann Pippi Langstrumpf Film, 1.Teil.

So 20.6.Kinderkirche: Heilung eines Kranken. Ich fahr nach NanGiné und hol nur 3 Kinder her zur Untersuchung. Ich warte dort zuerst vor der Türe, weil Sonie gerade mit ihnen betet und singt—hört sich sehr schön an. Kettlie meint, die Vitamintablette habe ihr sehr geholfen, sie fühlt sich wieder prima. Ich glaub ja, eine gutschmeckende Plazebotablette hätte genauso gut geholfen, aber geschadet haben sie sicher nicht. Ich rede lange mit ihr, auch wie es für sie weitergeht, was sie mal werden möchte… Sie ist so eine sympathische hübsche junge Frau!

Kein Strom! Nach 2 Stunden kommt ein Elektriker mit Gehilfe us Jeremie, nimmt den unteren Wechselrichter auseinander, prüft die Kontakte, reinigt sie mit Schmirgelpapier, prüft nochmal mit dem Spannungsmesser und schraubt alles wieder zusammen. Gleiches Problem wie vorher. Ich seh nicht, was das elektronische Feld anzeigt, aber er meint irgendwann, eine Platine sei kaputt. Zumindest versteh ich das so und frag ihn, ob er das wirklich so im Anzeigefeld sieht-ja! So ein Teil gebe es in Jeremie zu kaufen, er telefoniert mit Hugo, der gerade dort ist. Anke: kein Strom ist eine Katastrophe! Ich : nimm´s als Chance, mal lange zu schlafen! Um kurz nach 8 lieg ich im Bett, da klopft es und man bringt mir ein Moskitonetz! Super.

21.6.Anke hat bei laufendem Motor bis um 22.30 Uhr am PC gearbeitet—was soll ich dazu sagen! Mir kam nachts die Frage, ob der Elektriker nicht 2 Kabel vertauscht hat und mach mit unserem Mann für den Strom den Wechselrichter wieder auf—war alles richtig, ein Kabel etwas locker. Wechselrichter wieder eingebaut. Ganz kurz leuchten 2 grüne Lampen auf , aber nach wenigen Sekunden springt eine auf rot—schade! Um 11 klagt DS über starke Schmerzen thoracal rechts ( gestern links), unsere Schmerzmittel gehen langsam zur Neige, wir haben noch 11 Tilidin 50mg, dann noch 1 Packung Tilidin 100, das war´s dann. Ich will mein Moskitonetz aufhängen und finde große Löcher. Auf der Suche nach Nadel und Faden wird mir das Netz aus der Hand genommen: ich mach das für dich! Dann bekomme ich eine neue parfümierte Seife, weil meine doch gestohlen wurde. Ernie sagt: die Dusche ist geputzt, ich kann mit einem vollen Wassereimer duschen—Danke! Irgendwie werde ich von allen total lieb umsorgt! Obwohl es inzwischen heiß ist zieh ich wegen der Stechmücken meine lange dünne Jogginghose mit Bündchen am Sprunggelenk an, so kann ich mein restliches Antimückenspray für Arme und Nacken aufsparen. Wieder ein Schlag auf´s Dach: die Avokados werden größer aber leidr ist die Ernte erst Ende Juli/ Anfang August. Die Kids freuen sich schon darauf. 3 Löcher im Moskitonetz wurden mir genäht, ich finde noch 4 weitere und häng dann das Netz mit ( teils gebrauchten) Mullbinden auf. Super!. Sonie verteilt genähte Masken auch an die Kleinen. Beim Mittagessen bekommt Klara einen Wutanfall, weil sie die ( bittere) ¼ Tablette gegen Pilz ausspuckt und nochmal eine zerdrückt mit Reis vermischt schlucken soll. Etwas wasser wurde ihr in den Mund geschüttet und sie hat geschluckt, dann ging das Gebrüll los. Nach ca 10 Minuten sag ich, ich würde sie auf´s Zimmer schicken und die Betreuerin macht das dann auch und prompt wird sie still. Irgendwie kenn ich das doch von einem meiner Kinder, Alter mit 5 Jahren passt auch…

22.6. Frühstück mit Weckle, heute gezuckerte verdünnte warme Dosenmilch zum Kaffee und 1 Banane . Anke lädt den PC bei laufendem Motor auf. Ich bring die 4 Großen mit ihren Sachen einschließlich 1 Matratze bis Freitag nach NanGiné. Das wollte keiner der Kids, aber das dauernde Bringen und Holen war Anke zuviel. Valeur kommt leider nicht mit zurück, er will erst auf den Markt und 1-2Sachen erledigen, er will nachmittags kommen. Ich sag ihm, da kommt schon Hugo, nützt aber nichts. Hugo konnte keine Platine in Jeremie kaufen, die gibt´s da doch nicht. In Fontrakil sind 2 Elektriker aus Les Cailles da , den Chef redet man mit „Boss“ an. Sie nehmen beide Wechselrichter auseinander, messen und stellen fest, dass bei einer Platine die Werte zu niedrig sind. Anstatt mindestens 4 werden3,1 angezeigt. Es muss eine neue Platine her. Das Gleiche hatte auch der aus Jeremie gesagt, ist irgendwie beruhigend. Sie packen alle Platinen in einen Karton und wollen morgen wiederkommen, falls sie eine neue Platine auftreiben können. Den Rest der Wechselrichter sollen wir in die Sonne stellen zum Trocknen, sie seien feucht von Rattenpisse. Machen wir. Anke arbeitet im Auto. Der Verband von DS ist nass ( gut), es sind nur noch schmale Binden da, die schnell verrutschen( schlecht). Ich sag ihm, er soll unbedingt die breiten Binden waschen, er hat mindestens 8 davon. Sag ich ihm jeden Tag, aber er macht nichts und ich zeig ihm deutlich, daß ich sauer bin. Er hat 2 gesunde Arme und ich find, er kann ohne weiteres die Binden selber waschen, er sei stinkfaul. Zumindest versuch ich das auf französisch zu sagen, aber was heißt bloß „stinkfaul“ auf französisch? Heute Nacht hat es stark geregnet .Jetzt ist der Dreck an meinen Schlappen getrocknet und ich hinterlasse eine Dreckspur, wo auch immer ich hingehe. Also erst mal Badeschlappen feste ausklopfen, dann zumindest den Boden im Behandlungszimmer fegen. Die Kids werden enttäuscht sein, wieder kein Film. Dafür haben sie gestern schöne Bilder gemalt und Dieuné hat mir ein beeindruckendes „Gedicht“ über die haitianische Jugend teils auf französisch, teils auf kreyol geschenkt. Ich habe es laut gelesen und ihn gefragt, was es auf französich heißt, bin aber nicht sicher, ob ich alles verstanden habe. Falls Anke mal Zeit hat, bitte ich sie um Übersetzung.

Ich beginne die zurückgegebenen Bücher zu Kleben, habe aber nur ein schmalen Scotchstreifen—morgen kommt Guerline mit Klebematerial und zeigt mir, wie sie es macht. Viele Bücker sind nur noch Schrott. Ich sortiere das Material für „science“, also Naturwissenschaften, das sieht sehr nach Anke aus, teilweise sind Bilder von unseren Kids drin! Wenn das alles im haitianischen Lernplan für die 1. und 2.Klasse drin ist, dann sind wir Deutschen weit hinterher! Dann untersuch ich 6 von unsern Kids hier. Richardley will unbedingt auch untersucht werden und hat Tränen in den Augen, als ich ihm sage, daß für heute Schluss ist. Aber er kommt morgen als Erster dran. Ich muss die Holzspatel suchen, die gibt es, ich weiß nur nicht, wo ich sie gesehen habe.

23.6.Hektik am Morgen. Kann ich gar nicht gebrauchen! Valeur hat eine Mitfahrgelegenheit nach Les Cailles. Studenten haben irgendetwas nicht bezahlt und das müsse heute per Banküberweisung bezahlt werden, sonst können sie nicht weiterstudieren.2 Mädchen müssen dort angemeldet werden, falls die Einschreibefrist noch nicht abgelaufen ist und dazu braucht es Kopien der Geburtsurkunden. Ja wie denn ohne Strom? Wo die Geburtsurkunden sind, weiß ich ( ich hab ja einige eingeordnet) und wir finden sie schnell, aber bis der Drucker im Auto ist , muss valeut schon weg. Anke macht noch rasch Photos vom Original und weg ist Valeur. Guerline kommt und sortiert erstmal alle Bücher. Es gibt welche zum Reinschreiben für die Schüler und die werden erstmal aussortiert. Die Kleinen können sie zum Bilderanschauer benützen oder als Unterlage oder zum Buchstaben üben… Ich würde ja einen Teil zum Holzanzünden in der Küche benützen, wo sollen die den bloß gelagert werden? Dann wird aus Karton Umschläge für die reparierten Bücher gemacht und alles mit Flüssigkleber und 4 cm breitem Tesaband geklebt. Die Elektriker kommen mit neuer Platine zurück und bauen alles ein—nix geht. An allen möglichen Kabeln wird die Spannung geprüft. Ich zeig dem Boss ds elektronische Testfeld, auf dem in englisch steht, daß man Kabel überprüfen soll. Sie finden im Sicherungskasten im Behandlungszimmer ein Kabel, das wohl sich gelöst hatte, ohne daß die Sicherung raussprang und stecken es richtig in die Klemme—und siehe da, der Strom ist da!! MittagessenMaisbrei Gemüse und 1 Stück Fleisch. Diana hat Bauchweh, Fieber und bekam SRO verordnet, aber ißt zu meiner Überraschung den ganzen Teller leer- die meisten andern essen 2 Teller, ich kann das kaum fassen, wo stecken di Kids das bloß hin? Zu viel Lärm für Siesta. Erst schreien die Kleinen, dann unterhält sich ein Mann lautstark, danach 3 Frauen—ich geh zu den Büchern. Pünktlich um 3 steht Richardley da zur Untersuchung. Danach kommen noch 5 weitere dran. Wir schauen bei den Mädchen unten den 2. Pippi Langstrumpf-Film Hugo kommt, ein Junge in NanGiné sei krank. Ich fahr los und find ihn sehr heiß im Bett, Bein hochgelagert, feuchter Umschlag am rechten Fuß. Hat schon 1 Tbl Paracetamol bekommen. Vorbildlich! Fußrücken hat kleine Wunde, ist geschwollen, Druckschmerz, Schwellung und Schmerzen in der Leiste—er brauch Antibiotika, das ist klar bei beginnender Phlegmone/ Erysipel. Sein großer Bruder trägt ihn ins Auto. Schnell Zahnbürste, T-Shirt und Unterhose und die Decke eingepackt und zurück geht’s. Anke mach eine örtliche Betäubung, erweitert und spreizt die wunde und Eiter kommt raus , Drainage von einem Handschuh ca 2 -3 cm rein , Verband, dann noch Antibiotikum iv und ab ins Bett und Bein hochlagern .Der Junge hat sich vor 2 Tagen an Elefantengras geschnitten/ gestochen. Ich geh ins Bett und schalt mein Licht aus, die Glühbirne blinkt, immer langsamer, bis das Licht aus ist. Ich zeig es Marianne und Ernie, mach es 3x an und aus, immer das Gleiche. Sowas hab ich noch nie gesehen.

24.6.Anke fährt mit Hugo die Baustelle für das Propangas anschauen, ob schon genug aufgefüllt ist bevor die Rüttler eingesetzt werden. Ich frag sie, ob denn die Mauer hinter dem Container schon gebaut sei, weiß sie aber auch nicht. AB für Wilder. Ich bleib da und will ein paar Quittungen in den PC eingeben, vom Juni 2021!—der Strom ist weg! Ich geh dem Gestank von geschmortem Kabel nach—komm mir vor wie ein Spürhund—und find den oberen Wechselrichter warm am Deckel und stinkend. Hugo wurde schon benachrichtigt, der will den Boss anrufen. Ich trag weiter Quittungen ein, bis der Akku am PC leer ist und mach danach mit Sortieren, fehlende-Blätter-suchen und Kleben der Schulbücher weiter, als Hugo kommt. Er muss schnell nach Duchity, dort sei der Boss von den Gendarmen festgehalten. Hugo kennt sie und will den Boss „rausholen“. Nach 1-2 Stunden sind sie da. Meine Nase hat nicht getrogen,: die Spule vom Kondensator am Wechselrichter ist teilweise geschmolzen, klebriges schwarzes Zeug ist an einem Rotorblatt vom Ventilator. Ich frag den Boss, woher denn die Säure gekommen sein könnte und er antwortet: Rattenpisse ! Ich mach Fotos, das glaubt mit doch sonst niemand. Über dem Ventilator ist ein Metallgitter, aber das schützt natürlich nicht vor Rattenpisse. Die Elektriker bauen die neuen Platinen zu dem noch guten Kondensator des 2. Wechselrichters und hängen ihn dann auf Hugo´s Anregung hin an die Wand. Die Schrauben dafür finden wir in einer Dose mit alten Nägeln, 3 langen Bauschrauben, 3 kurzen und 2 verbogenen Schrauben,3 Unterlegscheiben… Wenn ich da an die Schraubenauswahl in unserem Keller denke….Auf jeden Fall sind die Elektriker beeindruckt, daß es überhaupt Schrauben hier gibt. Ich versuch, dem Elektriker das mit meinem Licht gestern Abend zu erklären und der Gehilfe geht mit runter. Alles normal, die 2. Glühbirne ist nicht ganz fest reingeschraubt, und die andere geht einwandfrei aus, wenn ich den Lichtschalter ausmache. Ich komm mir vor wie ein Depp, typischer Vorführeffekt! Ich häng den PC an den Strom und geh mit Sonie eine Frau besuchen, die neben dem Grundstück von menkontre beim neuen Markt wohnt. Ein kleine Stück Grund gehört ihr, darauf steht eine ca 3×4 m große Hütte aus Wellblech und Plastikstücken. In der Mitte ein paar Steine( Feuerstelle), Lehmboden, Einrichtung: nichts. Keine Matratze, keine Decke, nichts. Hier schlafen eine Alte Frau und ihre Tochter. Beim direkten Nachbarn dürfen sie kochen, haben dort wohl auch Töpfe(?). Die Frau ging davon aus, daß sie in eins der geplanten neuen Häusle beim Markt ziehen darf, aber Sonie sagte ihr nein, du bleibst hier, es wird für dich hier gebaut. Anscheinend wurde für diese Frau kein Antrag rechtzeitig gestellt und jetzt sind wohl die geplanten Häuschen schon verplant für andere arme Leute. Mittagesse, kurze Siesta, dann geh ich erst Quittungen eintragen, dann Bücher kleben. Um 5 kommt Hugo: Valeur wartet beim Hotel auf mich. Ich fahr los und Valeur zeigt mir ein Haus in der Nähe des Rathauses, bei dem der Hurrican das ganze Haus bis auf eine halbe Wand zerstört hat. Jetzt wohnt die Frau in einer kleinen Hütte direkt daneben. Der Boden ist schon betoniert ( ca 4x6m) . Etwas weiter ein Haus, bei dem das Dach zerstört wurde und jetzt ein löchriges Segeltüch gespannt ist. In einem Raum steht Wasser, sonst nur Eimer und Schüsseln. der vordere Raum ist fast trocken, 1 Raum abgetrennt, ist Schlafzimmer. Die alte Frau, der Mann ist gestorben, wohnt hier angeblich mit weiteren 10 Leuten. Sie redet etwas französich und kreyol durcheinander: Gott hilft und schickt dich als Engel. Man muss Geduld haben. Gott segne die, die helfen …ich versteh nur einen kleinen Teil. Angeblich hat die ( katholische) Kirche über hilfsbedürftige Leute gesprochen Und zweifelsfrei brauchen alle 3 dringend Hilfe. Die Frage für mich ist, inwieweit die Menschen vor Ort, es gibt hier ja durchaus betuchte Leute, dieses Projekt stemmen können, das von Anke vorgestellte Projekt ist ja ein anderes. Muss ich mit Anke, Sonie und Valeur besprechen. Valeur lädt mich zu einem Bier in Hugo´s Hotel ein und wir schauen nebenher Fußball an und reden. Kurz bevor ich losfahre kommen noch Rosie und Sonie´s Sohn vorbei.

25.6. morgens großer Schreck: der PC zeigt nichts vom Stick und darauf sind meine ganzen Bilder! Gott sei Dank kann Anke aber auf ihrem PC die Bilder öffnen! Dusche um 8, dann trag ich endlich weiter meinen 3 Teil vom Reisebericht ein. In der Pause gibt´s ein großes Stück Wassermelone! Lecker. Die Kerne werden eingepflanzt. Danach geh ich Bücher kleben. Kurze laute Siesta, dann geh ich den Rest unserer Jungs hier untersuchen. 2 kommen zum 2. Mal und erklären mir mir großen Augen, daß ich sie noch nie untersucht hätte. Ich les ihnen vor, wie ihr Blutdruck war und führ sie wieder aus dem Untersuchungszimmer zum Gelächter der Anderen. Eigentlich wollen alle täglich untersucht werden und einige hätten gerne eine Spritze, weil ich ihnen gesagt hab einen Traubenzuckerlutscher gibt´s nur, wenn man eine Spritze bekommt. Und dann weigere ich mich auch noch, auf jeden kleinsten Kratzer ein Pflaster zu kleben, bitter, bitter! Trotzdem bekomme ich 2 Bilder von Wilder und 2 Blumen von Richardley geschenkt—die kommen gleich in eine leere Lokalanästhesieflasche und ich stell sie vor mich auf den Tisch. Kemsley heult hinter dem Schrank. Solange ich mit ihm rede, kommen 4 Kids und quatschen mich an. Dem 1. sag ich noch ruhig: du siehst doch, daß ich mit Kemsley rede, beim 2. wird meine Stimme schon etwas lauter und den 4. schreie ich an, sie sollen mich gefälligst in Ruhe lassen, wenn ich rede—soviel zur Geduld. Außerdem ist das hier absolut üblich, daß man mitten im Gespräch von jemandem ganz anderem angesprochen wird, sogar: kannst du meinen Blutdruck messen—und erstaunte Gesichter, wenn ich sage, nein, jetzt nicht! Oder das Telefon läutet und mitten im Satz steht der Gegenüber auf und geht ins Handy sprechend für 5 Minuten weg. Da könnt ich einen Schreikrampf bekommen!

Heute durfte Wilder als „Gast“ den Film wählen: wir schauen Pippi bei den Piraten. Ich frag die Jungs, ob jemand den Mädchen Bescheid geben kann, daß wir einen Film anschauen und Dieuseul sagt zu Luksay: geh und sag denen Bescheid! In einem Kommis-Befehlston! Darauf schnauz ich ihn an, wie er dazu kommt, Luksay Befehle zu erteilen und ihn herumzuschicken! Dazu sei er nicht befugt .Und außerdem hätte ich ihn noch nie „danke“ sagen hören, wenn Luksay ihm etwas bringt! Die Betreuerin nickt und er schaut mich an, als würde ich etwas Unmögliches von ihm verlangen. Zum Abendessen gibt es Boulle, sieht nach Mehlsuppe aus—ich bin sehr froh, daß ich gebackene Kochbananen und scharfen Krautsalat mit Peperoni bekomme.

26.6. Geburtstag von Annette! Zum Kaffee gibt´s Kaffee. Sonst nix. Anscheinend wurden keine Weckla geliefert, macht mir nichts, ich hab genug Reserven aber die Kinder gehen nicht auf ihren Spaziergang, bevor nicht etwas im Magen ist. Kommt heute eben später. Anke zieht meine Bilder auf den Stick, der ist fast voll. Die Frage ist, wie ich die vielen Bilder nach Deutschland bekomme, denn mein Stick ist kaputt und Anke braucht jeden Speicherplatz, den sie hat. Sie spricht von einer Cloud, damit kenn ich mich jetzt überhaupt nicht aus, aber angeblich M. Ich trau dem Stick nicht mehr. Ich hab 2x etwas eingetragen und es war nur ein Teil auf dem Stick. Trotzdem geh ich mit PC und Stick in den Behandlungsraum und trag die Untersuchungsergebnisse unserer Kids in das neue Waisenkinder-Untersuchungs-Formular ein. Ich speichere immer wieder zwischendurch. Riesengebrüll draußen. Ich seh nach und frag , was los sei. Ein Junge hat ein Plastikpflanzgefäß ( Unterteil einer Plastikflasche) kaputt gemacht und Dieuseul hat ihn gehauen. Das ist hier ein absoluter No-Go, hauen geht gar nicht! Grund zur „Punition“, Bestrafung bedeutet: kein Film und 1 Woche kein Fisch zum Brötchen und nichts Süßes… Kurz darauf erneutes Geheule: diesmal war es Luksay, der einen kleineren Jungen geschlagen hat und ich sag auch ihm, daß Film für ihn gestrichen ist! Dann rechne ich die Punkte der Lehrer-Mathearbeit zusammen. Anke hat für die Lehrer einen Test erstellt, damit sie selber sehen, wo sie noch Mängel haben. Es sind Matheaufgaben der 4. Klasse, soviel ich weiß und das Ergebnis ist erschreckend! Unter 50% fallen die Kinder durch, eine Lehrerin schafft gerade 41%, eine 51%,…Ich mach Fotos der Arbeit ( natürlich ohne Namen). Anruf bei Anke: Es wird von „unten“ einer unserer Jungs geschickt, der kurz davor sei, jemanden umzubringen. Kurz darauf ist er da und sitzt mit verstockter Mine da.

Die Kinderzimmer und der Vorraum würden von den größeren Mädchen komplett gewischt und mit der Handbürste geschrubbt. Die Kids sind auf den Knien und ziehen das Wasser ab. Einen Schrubber kennen sie hier nicht, hab leider vergessen, ein Foto zu machen. Zum Mittagessen gibt´s wie jeden Samstag Maisbrei mit Bohnensauce. Die Mädchen essen 1 Teller, heute will keine Nachschlag, das ist kein Lieblingsessen. Stundenlanges Donnergrollen, dann fängt es an zu regnen. Das Wetter ist absolut untypisch für Sommer, normalerweise regnet es da oft 1 Monat lang gar nicht , zur Zeit aber täglich. Ich schau aus meinem Fenster und sehe , wie es aus der Regenrinne tropft. Bei den vielen hohen Bäumen ums Haus sollte dringend ein Gitter über der Regenrinne angebracht werden, die ist ruckzuck von Blättern verstopft!

Ich trag weiter Untersuchungsdaten ein. Als ich fertig bin und speichern will, geht es nicht. Ich mach die Kontrolle: die Arbeit der letzten Stunde war vergeblich, es ist nichts davon auf dem Stick!! So ein Sch….!

Damit ist der 3 Teil meines Reiseberichts beendet. Es geht auf den Endspurt zu, es sind nur noch gut 2 Wochen hier, dann, wenn denn die Flüge gehen, mach ich 4 Tage Urlaub am Meer bei Santo Domingo und dann sehen wir uns hoffentlich bald in Deutschland. Jetzt fängt es an mit: ich muss unbedingt noch… oder : hoffentlich bekomme ich das noch fertig…oder : eigentlich wollten wir doch… –Ich halte euch auf dem Laufenden!

Liebe Grüße, Traudel



33 views