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2. Reisebericht Teil 1 von Dr. Traudel Schippert Mai 2021

Updated: Aug 17, 2021

Ich untersuche immer noch Schülerköpfe auf Pilze und das wird sicher auch noch eine Weile dauern. Die Schüler sind sichtlich froh über die Unterbrechung des Unterrichts und lachen, wenn ich die Namen falsch ausspreche. Insgesamt haben von den 286 Schülern hier 133 eine Pilzerkrankung am Kopf! Also bestellen wir eine große Menge an Antipilztabletten zur Behandlung. Man ruft mich, ich soll schnell kommen, jemand blutet stark. Ein Schüler hat sich in der Pause die Kopfhaut an einem Ast aufgerissen und ist blutüberströmt. Erst mal Kompresse und Druck drauf. Es ist eine 4 cm lange tiefe Wunde, also: Lokale Betäubung und Naht . Ich frage, ob jemand den Eltern Bescheid gibt, ernte aber nur fragende Blicke. So was passiert eben, ist die Antwort und mit einem Kopfverband nimmt der Schüler wieder am Unterricht teil. Er hat einen Traubenzuckerlutscher von mir bekommen, weil er so tapfer war— das war vielleicht keine so gute Idee, denn seither kommen viele Kinder und zeigen mir eine kleine, meist längst verheilte Wunde. Ich sag ihnen, das gilt nicht. Lutscher gibt´s erst nach einer Spritze. Ein Junge nickt und ich komm mit einer großen Nadel. Er haut ab—damit ist erst mal Ruhe.

Lehrerkonferenz: Einteilung für´s Examen am Freitag, Samstag, Montag und Dienstag. Dann geht es los mit den Patienten. Wir arbeiten in 2 Zimmern, mit dem neuen Laptop geht das !. Zum Glück ist eine unserer Lehrerinnen mit ihrem Kind da und übersetzt für mich ins Kreol . Viele Kinder haben Krätze, Fieber, Husten oder Bauchweh oder oft alle 4 zusammen. Es fängt an zu schütten. Und das auf´s Blechdach—ich versteh gar nix mehr! Zum Glück waren die Patienten schon behandelt. Ich zeig den Mädchen, wie man jongliert und wir spielen Ringelreihen und Fangen unter dem Dach.

Samstag, 24.4., um 8 wollen wir bei dem Kind mit den verwachsenen Fingern nach einer Brandwunde eine OP durchführen, um erst mal 1 Finger von den anderen zu lösen. Bis um 10 kommt niemand, dafür eine Schwangere zur Entbindung ihres 3. Kindes. Danach Anruf: unten im Waisenhaus hat wieder ein Kind einen psychiatrischen Anfall. Wir holen sie einschließlich Koffer und Matratze. Jetzt haben wir 2 Mädchen, bei denen ständig jemand sein muss. Nach kurzer Zeit leben die beiden auf, lachen und spielen mit den Kleinen.

Ich geh mit den Kindern und den Betreuerinnen spazieren, hier heißt das „sortie“. Ich trage das 3 Monate alte Kind, 3 der etwas größeren Jungs die andern 3 Kleinen. Der mit 7 Monaten sieht aus wie ein 3-Monats-Kind. Es war sehr stark unterernährt, als es hier aufgenommen wurde. Seine Muskelspannung ist noch längst nicht so, daß er sitzen kann. Als wir wiederkommen, steht an meinem Essplatz ein Teller mit Kokosnußstücken drauf und ein Becher mit Kokosmilch. Ich denk: nanu, Mittagessen nur für mich?? und ess alles auf. 1 Stunde später kommt das Mittagsessen. Es war ein Geschenk für mich! Wasser zum Waschen wird aus dem großen Regenwassertank hinter dem Haus geholt und auf dem Kopf ins Badezimmer getragen. Meine vom Hund angefressenen Badelatschen werf ich weg—der Pflasterverband hält einfach nicht.—Ich hab ja noch Flipflops.

25.4. Sonntag. Ich zieh mein Kleid an zum Gottesdienst bei uns. Als ich aus der Tür trete, ist Stille bei den Kids. Alle starren mich mit offenem Mund an. Frühstück mit Milch zum Kaffee! Um 8 Uhr hält Anke den Kindergottesdienst. Thema: Gott gibt dir eine 2. Chance. ( Petrus verleugnet Jesus 3x vor dessen Kreuzigung. Jetzt nach Ostern fragt er ihn 3x: hast du mich lieb 8und sagt dann : weide meine Schafe. Setzt ihn also sogar als seinen Stellvertreter als Hirte ein) Danach sortie mit allen Kindern: Ausflug zum Wasserfall. Jedem Kind ist ein anderes zugeordnet. Die Großen tragen die Kleinen. Der Weg geht an Feldern vorbei und dann durch unbebautes Gelände, einen mit schieferartigem geröllbelegtem Fels hinunter zu einem Bach mit einem ca 3 m großen Wasserfall. Am Bach wäscht 1 Frau und 2 Mädchen Wäsche. Anscheinend sind sie aus den Häuser an der kleinen Straße zu uns und gehen ca 2 km zum Wäschewaschen hierher!

Als wir zurückkommen, sitzen 2 Leute im „Wartezimmer“, also an der Frontseite des Hauses mit dem Behandlungszimmer. Ich versteh tatsächlich schon ein, zwei Worte von ihrem Kreol. Es hat seit 8 Tagen eine Verletzung an der Fußsohle und klagt über starke Schmerzen. Man sieht eigentlich nur dicke Hornhaut, ca 2×2 cm. Ich trage die Hornhaut mit dem Skalpell ab, eröffne die Haut drunter und es entleert sich dicker Eiter. Mit einer feinen Pinzette entferne ich 5 Fremdkörper, trotzdem tut es auf Druck noch weh. Ich hole erstmal meinen gute Taschenlampe, dann Anke. Als ich in den Wundkanal leuchte, findet sie noch einen großen Dorn. Jodsalbenverband. Sie erfährt, daß er seit gestern den Mund nicht öffnen kann und starke Verspannung und Rückenschmerzen seit gestern hat.

Soviel zu: ich versteh schon ein bißchen. Es ist kein Schmerz am Kiefergelenk—wir schauen uns an—Tetanus! besteht Lebensgefahr! Anke schreibt einen Notfallbrief für´s Krankenhaus, sie müsste sofort dorthin. Die Frau sagt, sie habe niemanden , der für den 9jährigen Sohn sorgt, wenn sie weg sei. Er ist Schüler bei uns und darf im Waisenhaus wohnen, solange die Eltern im Krankenhaus sind. ( er fühlt sich sichtlich wohl bei den gleichaltrigen Jungs und dem regelmäßigen Essen. Der Papa hat überlebt, die Eltern kommen nach ca 2 Wochen zurück, holen aber ihren Jungen nicht ab! Als Anke ein paar Tage später davon hört, schickt sie ihn nach der Schule nach Hause. Bisher kam von den Eltern kein Danke oder so was ).

Meine Jonglierbälle sind fest in Benutzung. Einer flog auf´s Dach und ich mach Räuberleiter für Dsiana, die findet ihn und darf ihn behalten. Hände waschen mit Kernseife, dann gibt´s Sonntagsessen: Reis mit Bohnensoße, 1 Löffel Kraut-Gelberüben-Salat, 1 Löffel große Hörnchen mit Fleischsoße und 1 Stück Fleisch 3×3 cm, evtl mit Knochen. Ich denke, die vollen Teller werden doch nie gegessen, aber die meisten holen sich noch einen 2. Teller voll! Die lachen über meine ungläubigen Blicke. Danach ist Siesta bis 3 Uhr. Anke meint, ich soll den Betreuerinnen sagen, daß sie die Kinder weiter beschäftigen sollen, aber das lehn ich ab. Ich will nicht die andere „Weiße“ sein, die Anweisungen gibt.

Es kommt eine Frau mit Kindstod im 5. Monat. Zum Glück haben wir noch Oxytocin zur Austreibung ! Danach Punktion von 500 ml Pleuraerguß bei unserer stationären Patientin. Und dann, unter Freudengejohle der Kinder schauen wir den 1. Pippi Langstrumpf- Film an .

26.4.Frühstüch um 7 : Schwarzer Kaffee und Spaghetti mit ein paar Weißkohlblättern und Karottenstückchen. Kommt euch komisch vor zum Frühstück?- Ist mir inzwischen das Liebste der Frühstücksvarianten hier!. Anke wurde in der Nacht zu einem Hausbesuch gerufen weil jemand starke Schmerzen hatte und dann um 4 , weil Dieuseul vor Schmerzen schrie. Danach konnte sie nicht mehr schlafen und hat an den Prüfungsaufgaben gearbeitet. Um 7.35 kommt die Nachricht, daß Lehrerstudenten vor der Türe stehen, also geht sie runter, um zu regeln, wer von ihnen wohin kommt. Ich geh zu unserer Patientin Blutdruck messen ( ist ok) und Beine wickeln, das heißt, ich zeige der Mutter am 1. Bein genau, wie es gemacht wird und sie wickelt das 2. mit Korrekturen von mir. Macht sie sehr gut! Auf meine Frage, ob sie ein Krankenhaus zum Untersuchen wegen der Schilddrüse gefunden haben kommt ein nein. Sie hätten auch kein Geld mehr, alles sei im März gebraucht worden. Danach geb ich ein bißchen Nachhilfe bei 2 Mädchen und einem JungenBei der Nachhilfe geht es um die Stellung der Zahlen. Ich diktiere: 5789 und sie müssen sie aufschreiben. Den Mädchen gelingt es , dem Jungen nicht. Nach ½ Stunde übe ich nur mit ihm Zahlen schreiben. Bis 12 geht es gut. Danach kommen die Lehre im Büro vorbei und ich trage die „ kleinen Noten“ in den PC ein.

Es warten schon wieder viele Leute vor dem Tor auf Behandlung. Ich hol mir jemand zum übersetzen und fang schon mal mit der Behandlung der Leute mit Hautkrankheiten, Husten, Fieber an, um 16 Uhr dann mit Anke. Sie ist nach 1 Nacht praktisch ohne Schlaf echt fertig. Dieuseul hat wieder Schmerzen und jetzt auch Fieber . Der Drain fördert, Antibiotikum hat er schon—wir wissen nicht, was wir sonst tun können. Der Hund klaut einen meiner Flipflops—jetzt hat er´s echt versaut bei mir!!

27.+28..4.Frühstück mit Brötchen mit Rührei drin und Milch zum Kaffee! Leute werden losgeschickt zum Flipflop suchen—vergeblich. Ich bin froh, doch meine stabilen Ledersandalen mitgenommen zu haben, nur sind die nichts zum kurz mal reinschlüpfen und nach dem Regen hängt eine cm-dicke Schicht Erde an der Sohle und sie sind nicht einfach abwaschbar. Also geh ich mit einem Mitarbeiter auf den Markt in Beaumont. 1000 Sandalen, aber keine Größe 41. Ich kauf 1 Shampoo, Schlappen Gr.42 und eine Schuhcreme für Anke. Jedes kostet 250 Gourdes.( wie ich jetzt weiß ca 2,50 €. Das mit dem Umrechnen ist doch nicht so schwierig: 5 Gourdes= 1 haitianischer Dollar (HD) und z.Zt ca 20 HD =1US Dollar). Auf den Straßen Gedränge und Motorradgehupe. Stände aus Holz mit Schuhen, Handys, Kleidung Seilen… oder auf einem Tuch auf dem Boden. Straßen mit Früchten und Gemüse, der Fischmarkt auf der anderen Straßenseite mit auf eine Schnur gezogenen kleinen Fischen und dann der Tiermarkt mit Schafen, Ziegen und Rindern. Ich sehe Früchte –oder Gemüse? , die ich noch nie gesehen hab und erfahre, das das „Veritable“ und „Niam“ ist, die anderen Namen kann ich mit leider nicht merken. Wieder zurück Schülerköpfe untersuchen, dann duschen und dann gibt´s Mittagessen: Reis mit braunen Bohnen, Soße mit Kohlblättern und ein paar Karottenstückchen, 1 Stückle Fleisch. Danach Kopien drucken für´s Examen. Der Drucker mit dem neuen Toner frisst das rare deutsche Papier. Es gibt noch 2 Pack davon. Das amerikanische Papier, das es hier zu kaufen gibt, ist gut 1 cm kürzer , dafür etwas breiter. Die Examensaufgeben müssten alle auf ein anderes Format gebracht werden und das wäre eine Mordsarbeit! Sobald der Drucker heiß wird, klemmt das Papier fest. Manchmal kann man es herausziehen, aber manchmal muss die Tonerkartusche rausgenommen werden und da schafft nur der Direktor von unten!

Aus den geplanten 4 Untersuchungen werden doch 8, dabei ein abgemagerter Mann, der im Krankenhaus war und ohne Ergebnis entlassen wurde. Wir messen den Zucker: nicht messbar für das Gerät! Nach Insulin 35 E und 2 l NaCl immer noch nicht messbar nach 2 Stunden. Nach weiteren 25 E Insulin dann 470 . Dh, er muss um die 1000 gehabt haben, eigentlich dürfte er nicht mehr leben! Er wird stationär aufgenommen im Schulzimmer.

Abendessen: Trockenes Weckle und warmer Ingwertee.

29.4. Blutzucker (BZ) ist auf unter 50! Der Patient ist froh, daß er essen darf. Nach 2 h : 97, nachmittags 250, angeblich hat er nach dem Frühstück nichts gegessen. Anke probiert es mit Tabletten. Wir schauen uns im Internet an, was man machen muss, um das Blatt Papier aus dem Drucker zu bekommen. Geht leider nur zum Teil, weil die Druckerpatrone nicht wie im Video herausgenommen werden kann, weil etwas abgebrochen sei. Valeur kommt und kann tatsächlich nach einiger Zeit die Patrone herausziehen. Ich schau mir genau an, wo man mit dem Messer rein muss und was wohin gedrückt werden muss, damit das klappt. Neuer Versuch: wieder klemmt das Papier fest. Nochmal versucht und jetzt kann ich 90 Seiten drucken, bevor wieder 1 Blatt festhängt. 16 Uhr, Rosi kommt- wir behandeln (nur) 3 Kranke, die übrigen werden weggeschickt. Danach ist Geburtstagsfeier für alle, die bisher in diesem Jahr Geburtstag hatten. Auch alle von Nangine sind da. Jedes Geburtstagskind wird von 4 Leuten auf dem Stuhl sitzend hochgestemmt. Es wird gesungen, Valeur hält eine Rede und dann gibt es ein von Sonie gekochtes Essensbuffet—lecker! und für jedes Kind eine Limo oder Cola. Es gibt Spiele: Wie können 6 Kinder auf 5 Beinen stehen? 1 Gruppe mit 6 Jungs und 1 mit 6 Mädchen. Die Jungs nehmen je 1 huckepach, halten sich an den Händen und 1 steht auf 1 Bein haben es schnell geschafft. Bei den Mädchen macht eins nicht mit, weil es nicht von einer Anderen angefaßt werden will! Würfelspiel: jeder darf 1x reihum würfeln, wer eine 6 hat, bekommt ein Bonbon. 3 Becher , unter 1 ist ein Bonbon werden schnell auf dem Tisch verschoben. Jeder darf nur 1x raten. gibt ein Riesengejohle und Freudenschreie. Anke hat zwischenzeitlich das Papier aus dem Drucker bekommen und gedruckt, bis das nächste Papier festsitzt—echt ätzend! Sie fährt noch die Kids von unten nach Hause.

30.4.Heute gibt es Kaffee unten im Saal, weil heute das Examen anfängt. In der 1. Klasse ist heute mündliche Prüfung. In einem Klassenzimmer sitzen verteilt 4 Lehrer/innen mit je 1 Schüler. Wenn 1 Schüler fertig ist, holt er den nächsten aus dem Unterricht. Ich betreue Klasse 1 c . Zuerst gibt es Sport: Hände hoch, höher, höher, dann auf den Boden…auf 1 Bein hüpfen…Dann kommen Matheaufgaben an der Tafel. Ich frage, ob sie die Hefte dabei haben: ja und nein durcheinander. Ständig steht 1 Schüler auf, fragt um Erlaubnis, auf´s Klo gehen zu dürfen. Ich red mit einem und schon sind drei andere aufgestanden . Wer wo zu sitzen hat, hab ich längst vergessen. Einen Sack Flöhe hüten kann nicht schlimmer sein! Ich schau auf meine Uhr – noch nicht mal 10 Uhr! Da kommt rettend Anke ( und es ist schlagartig Ruhe) mit Mme Ena , Pause für ½ Stunde, puh! Danach mal ich ein Pferd oder so was ähnliches an die Tafel und geb den Kindern ein kleines Stück Kreide zum Malen. Wie schade, daß ich keinen Foto dabei habe, es kommt alles vom schönen Pferd bis zu einem Drachen raus, das hätte ich doch zu gerne photografiert. Um 12.30 Uhr werde ich dann endgültig abgelöst und regel das im Saal mit dem Neubesetzen der Tische. Patienten werden heute keine behandelt, nur absolute Notfälle und Entbindungen wie auch am Wochenende. Also benote ich einen Teil der Matheaufgaben, den Rest muß Anke machen, das sind Textaufgaben und hier ist die Punktevergabe nicht klar.

Unser Zuckerpatient hatte morgens 37( zu niedrig), um17.30 Uhr dann 176. Wir drucken die Aufgaben für die nächsten Examenstage aus. Als mal wieder ein Blatt hängt, und der Drucker sehr heiß war, versuchten wir ihn mit einem Ventilator zu kühlen, den Hugo uns brachte. Ging nicht, nur mit 110V. Daraufhin leeren wie den Kühlschrank und stellen den Drucker rein. Auf so eine prima Idee kann nur Anke kommen. Nach einer halben Stunde wollen wir weiterdrucken- Drucker frisst das Papier und wir sind alle gefrustet. Immerhin haben wir die Kopien für morgen. Ich versuch, ins Internet zu kommen, aber es klappt leider nicht.

Samstag,1.5. So, jetzt weiß ich , was mich nachts immer wieder aufschrecken lässt: es sind unreife Avocados , die von den gr0ßen Bäumen auf´s Wellblechdach knallen . Heute ist Matheprüfung für die 4.-6- Klasse im „Saal“ ( überdachter Innenhof zwischen dem Behandlungszimmer und Büro). Die Schüler dürfen ab 6 kommen, Examensbeginn ist 8 Uhr ( geplant) 1 Kind an 1 Tisch. Wenn alle Tische besetzt sind, müssen die dann Kommenden warten, bis ein Tisch frei wird. Auf jedem Tisch soll eine Unterlage und ein Schmierblatt liegen. Ich bin um 6.45 oben und einige Tische müssen erst mal trocken gerieben werden, die sind nass vom Tau. Dann werden alte Schulhefte nach leeren Seiten durchforstet—das gibt die Schmierblätter. Heftumschläge werden zu Unterlagen. Geodreieck, Lineal und Zirkel gibt es zum Ausleihen, falls jemand keines dabei hat. Die Schüler werden einzeln zu ihrem Platz geführt, immer ein 4,5,und 6-klässler, so daß nicht eingesagt werden kann. Es ist absolute Stille im vollen Saal. Wenn ein Schüler was braucht, habt er die Hand und wartet still bis jemand kommt. Wenn ein Schüler fertig ist, streckt er auch. Jemand, z.B. ich kommt und schaut, ob eine Aufgabe übersehen wurde oder der Rechenweg auch aufgeschrieben ist, wenn das verlangt ist und nicht nur das Ergebnis draufsteht. Dann wird der Tisch neu besetzt. Die gekommenen Schüler haben entsprechend ihrem Eintreffen eine Nummer bekommen, so daß das jetzt ganz gerecht zugeht. Um 9 kommen 2 Notfälle: 1 Frau zur Entbindung und 1 junge schreiende Frau. Die 1. kam mit Motorradtaxi, Muttermund 6 cm auf. Die Wehen kommen immer schneller, sind aber nur sehr kurz. Sie kann nicht mehr, schreit nur noch: ich werde sterben! und ich sage immer wieder: nein, wirst du nicht! Sie bekommt unser letztes Oxytocin und um 12 Uhr ist ihr kleines Mädchen geboren. Alle sind sehr froh und dankbar. Dann beginnt eine massive Nachblutung. Wie gut, daß das Oxytocin schon läuft ! Anke presst den Uterus zusammen, die Infusion wird auf schnell gestellt und –Gott sei Dank!—die Blutung stoppt. Die schreiende junge Frau musste solange warten. Sie hatte im Januar eine Fehlgeburt und jetzt eitrigen Ausfluss aus der Scheide, kein Fieber. Sie bekommt Infusion mit Antibiotikum und schmerzstillendes Buscopan. Beide kommen ins Zelt. Unser „ Zuckermann“ hat schon wieder die Tabletten falschgenommen, trotz bestimmt 10x sagen. Er sagt immer ja, ja. Falls der Wert um 18 Uhr gut ist, darf er heim.

Anke hat mit ihren Eltern geskypt! Traudel wird meiner Schwester Heidi ( wohnt um die Ecke) Bescheid geben, daß es mir gut geht! Ich hab hier in Haiti keine Verbindung mit dem Internet und kann auch nicht telefonieren. Hugo will mir eine haitianische Simkarte besorgen. Nachmittags bekomme ich den PC und kann tatsächlich auf mein Googlekonto zugreifen und damit meine emails lesen und meine 1. Mail nach Deutschland schreiben! Die Fotos müssen warten, bis ich zuhause bin.

Während ich meinen Maisbrei zu Mittag esse, kommt ein Mitarbeiter und klagt über Schmerzen im Ohr. Ich sag ihm: du siehst doch, daß ich esse—er schaut mich bloß erstaunt an. Also sag ich ihm, er soll um 4 in die Pharmacie kommen und da geht er ( kommt um 4 Uhr nicht zum Behandeln). Das Ferkel, das bei Anke wohnt, läuft grunzend auf dem Gelände herum. Wegscheuchen nutzt nur kurz was. Es hat bereits 3 Leute ( auch Anke) in den Zeh gebissen, da passt inzwischen jeder auf. Aber solange man nicht weiß, ob es noch ansteckend ist, darf es nicht zu den anderen Schweinen. Es ist jetzt sauber, geht also zum Pinkeln und … raus ins Gelände, lässt sich von Anke streicheln und bettelt wie die Katze ums Fressen.

Zucker ist bei 550! Bekommt 15 IE Insulin zu seinen Tabletten. Nix mit Entlassung.

Sonntag,2.5. Frühstück : Weckle und Milch zum Frühstück ( wie jeden Sonntag) Zucker ist bei 73, prima . Die junge Frau hatte vor Schmerzen geschrien und von Anke eine Schmerzspritze bekommen. Auch ihr geht´s jetzt gut, sie bekommt ihr AB. Nach dem Kindergottesdienst gehen die Kids wieder mit ihren Betreuerinnen spazieren, ich geh zum Benoten und Drucken. Um 17 Uhr Notfall; ein Junge ist auf der nassen rEde am Nachmittag ausgerutscht und habe sich den Arm gebrochen. Es ist ein kompletter Bruch beider Unterarmknochen. Anke macht eine Plexusanäthesie und richtet unter heftigem Zug den Bruch ein. Danach Gipsschiene vom Daumen bis Oberarm und Tuch und dann fährt er hinten auf dem Motorrad nach Hause.

3.5. Zucker ist nüchtern 230, er bekommt 10 IE Insulin. Um 7.50 Fahnenapell, danach fangen wieder die Prüfungen an. Ich hab diesmal Klasse 2b. Nach 1 ½ Stunden bin ich mit den Nerven fertig und ziemlich heiser. Ablösung für 30 Minuten—Ich stürze eine eiskalte Flasche seven up runter. Danach nehm ich Bonbons mit und 1 Kind muss raus aus dem Klassenzimmer, das Bonbon wird versteckt und er darf es suchen. Erlaubt ist nur heiß und kalt –sagen: Der Schüler läuft sofort zum Bonbon. Ich erkläre nochmal die Regel: Nicht vorsagen, wo es versteckt ist. Die nächste Schülerin läuft sofort zum Bonbon. Ich bemerke ein paar Schüler, die durch die Fenster schauen und verscheuch sie. Nützt nix, dann tauchen sie hinter dem Haus auf. Also mach ich die Fensterläden zu. Der nächste Schüler läuft direkt auf das Bonbon zu. Was machen? man kann keine 30 Schüler im Auge behalten und einer zeigt immer auf die Stelle, wenn ich nicht hinschaue. Also tu ich so, als wäre ich tief beeindruckt, wie schnell sie das Bonbon finden und konzentriere mich darauf, daß jeder nur 1x drankommt. Danach kommt endlich meine Ablösung. Ich kontrolliere, ob ein Schüler bei allen 3 mündlichen Stationen dran war und gebe ihm dann einen kleinen Zettel, daß er zur Kantine gehen darf und dort etwas zum Essen bekommt. Danach darf er heimgehen. Gefragt wird z.B. in Naturkunde: welche 3 Gemüse kennst du? Nachmittags korrigier ich Matheaufgaben bis um 9 , dann reicht´s mir und ich geh schlafen.

Di, 2.5. letzter Prüfungstag Ich hab die 2c . Inzwischen hab ich schon gelernt, daß es unklug ist, gleich mit Sport anzufangen. Ich weiß auch, daß immer nur 1 Schüler auf dem Klo sein darf. Also zähl ich sie: ich hab 28. Nachdem aber immer wieder 1 Schüler zur mündlichen Prüfung muss , hab ich manchmal nur 23 Schüler in der Klasse .Ich beginne mit Matheaufgaben und dann kommt Anke mit dem PC. Den Pippi Langstrumpf-Film hab ich schon dabei. Auf einmal hab ich 42 im Zimmer und geschätzte 10 an den Fenstern. Die Lehrerin vom Nachbarzimmer kommt rein und lacht nur, als ich ihr sage, ich wüsste nicht, welche Schüler meine seien. Dann kommt meine Ablösung und schaut mit den Kids weiter den Film an. Ich korrigiere weiter und trage Ergebnisse in den PC ein. Inzwischen kapiere ich zumindest in Mathe die meisten der auf Kreol gestellten Fragen. Ich bekomme von Anke leckeren gekühlten Veritable-Fruchtsaft zu trinken und geh um 9 schlafen.

3.5. Ich wird um 2 nachts geweckt: Entbindung steht kurz bevor. Anke ist schon seit 3 Stunden auf. Um 2.30 Entbindung ein kleinen Mädchens. Anke näht den kleinen Riß in 3 Schichten, dann nehmen wir die Kleine und lassen die Mutter die frischgebackene Mama, Liege, Boden und was sonst noch blutig wurde waschen. Sie schlafen auf der nackten Matratze, haben für das Baby ein dünnes Handtuch zum Abtrocknen, 1 Lätzchen als Windel, 1 Strampelanzug, 1 dünne Mütze und eine dünne Decke dabei, in die wir das Kind einwickeln. Dann geht´s ins Bett.

7 Kaffee bei Anke, die ziemlich fertig ist vom wenigen Schlafen. Dann kommt ein Anruf: Die Präsidentenehefrau kommt nach Beaumont und möchte an 50 bedürftige Schüler von 8-11 Jahren Päckchen verteilen. Also muss Anke 50 Schüler/innen diesen Alters raussuchen. Das ist nicht so einfach wie in Deutschland: Klasse 3-5. Hier sind auch 14-jährige in der 2. klasse. Ich korrigiere und trage Punkte in den PC ein. Um 13.30 macht Anke Lehrerfortbildung. Ich stoße um 14.30 dazu und bin recht stolz auf mich, daß ich dem Vortrag folgen kann. Es geht darum , wie man die Fragen richtig stellt, damit 1.die Frage eindeutig ist und 2. die Antwort Platz auf der vorgesehenen Zeile hat. Dann wird der Zettel gebracht, auf dem die Anzahl der Patienten steht, wie alt sie sind und was sie haben. Ein paar Lehrer wollen auch behandelt werden. Um 17.30 ist der Zucker unseres Patienten ( alleinstehender Onkel eines Lehrers)347. Wir sagen ihm, daß wir unbedingt 30/70 Insulin brauchen, er soll auch Insulinspritzen besorgen. Ich erzähl ihm daß ich gerade geduscht habe, weil ich auf der regennassen Erde ausgerutscht bin, den Computer hochgestreckt in die Luft und ein paar der Examensblätter dreckig aber die meisten gerettet, meine Hose, T-Shirt und Haare dafür rotbraun waren und ernte bei allem Stöhnen ein kurzes Grinsen.

6.5. Donnerstags gibt´s Spaghetti zum Kaffee. Ich schau nach unsern Patienten: Zuckerpatient hat 183. Ich frag ihn, ob er etwas gegessen hat—ja. Ob er Tabletten genommen hat—ja. Hast du 1 genommen?—ja hast du 2 genommen—ja ich glaube, er versteht nichts. ( Abends 370—15 IE Insulin). Dann zieh ich dem Schüler mit der Platzwunde die Fäden. 4 Mitarbeiter haben Probleme, den 5 verweise ich dann auf 16 Uhr und geh wieder korrigieren zu Anke. Mittagessen donnerstags: Boule, Süßkartoffel und Yams mit Weißkohl und irgendeinem grünen Gemüse( Sepina) in Bohnensoße. Um 16.15 geh ich zum Kranke versorgen. 4 werden angenommen, 7 weggeschickt, sie sollen in die Klinik gehen . Für die Kinder gibt es einen Film : Kiriku. Sie jubeln. Kiriku kennen sie von früher , leider ist der von Anke weg oder kaputt und ich hab ihn vom Deutsch-Französischen Institut ausgeliehen gekommen ! Merci, merci!

Ich nehm eine Einkaufstasche voller leerer Medikamentenschachteln mit nach unten und Bau mit den kleinen einen hohen Turm. Es ist wie bei unsern Kindern auch: das umwerfen macht ihnen am meisten Spaß. Dann kommt Klara auf die Idee, eine Schachtel als Telefon zu benützen und kurz darauf rennen alle mit einer Schachtel am Ohr herum und lachen sich kaputt, als ich mit M. Hugo, Mme XY und Herrn Z rede. Zum Abendessen dünner Fladen mit Erdnussbutter, dazu Zitronenzuckersaft. Um 9 geh ich schlafen.

7.5.6.17 Katzenwäsche, wie immer ist das Bad von den Kids belegt, die sich aus einer großen Schüssel mit Kernseifenwasser waschen und mit kaltem klaren Wasser „ nachwaschen“.

Ich hab Halsweh und Gliederschmerzen. Korrigieren und in PC eintragen. Geh früh schlafen

8.5.Halsweh, Gliederschmerzen, später Schnupfen. Gut, daß ich viele Taschentücher dabei hab. Eiskalte Füße: danke, Heidi, für die gestickten langen Socken! Ich dacht ja nicht, daß ich sie brauchen würde, aber jetzt bin ich froh drüber. Ich versorge “meine“ Patienten. Anke ist 2x mit dem Auto gefahren, um die Bohnenernte ( dunkle Kidney-Bohnen) rechtzeitig vor dem drohenden Regen in Sicherheit zu bringen. Dann bekam sie einen Anruf: eine Frau liege halbtot vor dem Tor. Eine 18-jährige Frau wird auf dem Tragetuch reingetragen. Massiver Ikterus, deutliche Anämie, starke Gelenkschmerzen v.a. im Knie. Sonographie zeigt eine riesige Leber. Was hat sie? Hämolyse, Malaria, Hepatitis, Leukämie?? Keine Gallensteine, keine Echinococcuszysten zu sehen . Anke bastelt ein Blutsenkungsröhrchen. Das Serum seigt rote Schlieren wie bei Hämolyse, ist aber am nächsten Morgen klar. Am Wochenende wird sie kein Krankenhaus aufnehmen, aber am Montag muss sie unbedingt zur Diagnostik in ein Krankenhaus mit Labor. Sie bekommt Ringer-Infusionen und Ibuprofen. Paracetamol darf bei Sichelzellanäme nicht gegeben werden.

9.5. Unser Zuckerpatient war die ganze Nacht allein und das verstößt gegen alle Regeln! Heute soll die „ Schulung“ von allen Angehörigen durchgeführt werden für´s Fingerstechen und Blutzuckerbestimmung und Insulin spritzen. Wir schreiben auf, wie hoch der Zucker ist und wieviel 30/70 Insulin ( ist endlich gekommen) dann gegeben wird. 4 unsere großen Mädchen gehen in sehr schicken Kleidern mit ihrer Betreuerin in die Kirche. Sobald die Examen fertig sind, geh ich mit! Hier findet wieder eine Kurzandacht mit 2 Liedern statt, danach ist Sortie für die Kids und Betreurinnen. Mir geht´s lausig, ich korrigiere ein bißchen und mach nach dem Essen tatsächlich einen Mittagsschlaf. Abends wird eine junge Frau gebracht, die halb ohnmächtig vor der Tür lag. RR 190/120, rasender Puls. Anke komprimiert den Sinusknoten am Hals. Würde ich mich nie trauen, kann sie nur machen, weil sie zur Not intubieren könnte—Puls und RR sind danach normal! Eine Frau mit massivem Asthma bekommt unser letztes Bricanyl gespritzt und kann nach 5 Minuten wieder durchatmen- bleibt erst mal für 30 Minuten zur Überwachung hier. Die Frau mit der unklaren Erkrankung schreit vor Schmerzen und bekommt Tilidin. Anke schreibt einen „ Verlegungsbrief“, damit sie Montag früh gleich ins Krankenhaus fahren können.

Mo, 10.5. Spaghetti zum Kaffee. dann fährt Anke die kranke Frau und ihre 2 Begleiterinnen zum Bus. Sie müssen sie zum Auto tragen. Ich frag ganz blauäugig, ob ein Ergebnis mitgeteilt wird—bisher habe das noch nie ein Arzt gemacht-. Oh je. Eine Lehrerin ist krank. Eine Betreuerin hat eine hypertensive Krise, nach 5 Minuten ist alles wieder ok. Die Frage ist: was machen? Krankenhaus ist teuer, viele Ärzte haben eine Privatpraxis mit Sonographie und Röntgen ( bringt viel Geld) ,Laboruntersuchungen werden in privaten Labors gemacht( bringt auch viel Geld) . Wer z.B. eine Schilddrüsendiadnostik machen kann, weiß keiner. Also wird erst mal bei jedem Sono und Röntgen gemacht. Ich weiß nicht, ob ich da ins KKH wollte! Unser Zuckerpatient hat uns wirklich verärgert und das lassen wir ihn und die Betreuerin auch deutlich spüren: Allen wurde gesagt, daß ½ Stunde vor dem Essen Blutzucker gemessen und dann gespritzt werden muss. Um 9 sagt er auf meine Frage, daß er nichts zum Essen hat. Um halb elf sagt er Anke, daß er um 8 2 Kochbananen gegessen hat. So kann man die Insulineinstellung echt vergessen! So kann er auch heim mit geliehenem Blutzuckermessgerät und seinem Insulin samt einem Plan, wann wieviel gespritzt werden soll.

Ich korrigiere Science, Naturwissenschaft, dann sind nur noch Textaufgaben und Kreol-Aufsätze und Diktat für Anke übrig. Valeur hat von 3 Klassen zu korrigieren, alles andere machen wir hier. Mittags geh ich runter , da sitzen die Kleinen still am Tisch, 2 schlafen. Ich nehm sie mit zum Sammeln. Sie sind mit Feuereifer dabei und bringen mir kleine Avokados, dann schöne rund Steine, dann suchen wir Blumen , danach schöne Blätter und Stöckchen. Dann versuch ich, mit ihnen Markt zu spielen, aber das kapieren sie noch nicht. Aber die Großen, die vom Unterricht kommen, amüsieren sich sehr. Hände seifen vor dem Essen: Reis, natürlich mit Bohnen, ein bissle Kraut und mikroskopische Fleischstückchen, oder ist das Fisch? Ich schlaf ca 15 Minuten—Siesta ist toll!—dann kommt Anke, es sei nochmal eine Fuhre Bohnen zu fahren. Ich fahre durch Beaumont, eine steinige Straße hinunter , wende und geh mir dann das Bohnenfeld anschauen. Es ist ca 1 ha groß, Maispflanzen stehen noch locker, die Bohnen waren dazwischen. Guter Boden, fast keine Steine. Viele Leute sind auf ihren Stücken bei der Arbeit. Die Bohnen kommen nach Fontrakil, 2 der großen Mädchen kommen gleich mit Sack und Pack mit uns. Eine darf gleich dolmetschen bei 2 kranken Kindern. 1 Frau kommt mit Nesselsucht, dann kommt ein Notfall auf der Trage: Eklampsie bei Zwillingen im 7. Monat Die Frau hat schon den ganzen Tag mehrfach gekrampft.Die Zunge ist blutig gebissen. Noch während sie untersucht wird, krampft sie erneut. Diazepam Rektiole, Tubus zwischen die Zähne- Adalat wird ausgespuckt RR 220/120 Nochmal 1 Adalat unter die Zungen. Zugang mit langsam Ringer-Laktat. Anke fährt sie in der Dunkelheit zum Krankenhaus nach les Caille zum Kaiserschnitt.Möge Gott sie behüten !!! Eins unserer <Kinder hat 39,1 axillär—Eis zum Kühlen, Paracetamol und CotrinSaft. Soll viel trinken. Die Kinder hier trinken normalerweise 3x 1 Plastikbecher Wasser. Zucker ist auf 237—16 IE Insulin. Ein anderes Kind hat 38,2, bekommt ½ Tbl Paracetamol

11.3. Es gibt nur ein bißchen Kaffee. Er ist (plötzlich !? ) aus und muss erst besorgt werden . Laut Anke ist das immer so. Rechtzeitig nachkaufen ist nicht die Sache der Haitianer.

Anke war mit der Patientin mit Eklampsie in 6!! verschiedenen Krankenhäusern in Les Cailles. Wurde in keines reingelassen, es sei kein Gynäkologe da. Zwischendurch sprang der Motor nicht mehr an und Anke musste bei Nacht mit einem Stein auf die Kontakte klopfen. Oh Wunder: Mitten in der Nacht, in einer gefährlichen Stadt ( vor kurzem wurde dort ein Priester entführt) hielt ein junger Mann an und wollte ihr Starthilfe geben, hatte sogar die Kabel dabei, aber leider sprang der Motor trotzdem nicht an. Irgendwann hat der Stein dann anscheinend die richtige Stelle getroffen, so daß sie weiterfahren konnte. Sie ist mitsamt der Patientin frühmorgens wieder zurückgekommen. Die Frau hat immer wieder einen Krampfanfall bekommen, die Rektiole haben nicht gereicht. Hugo will um 8 nach Jeremie fahren und sie mitnehmen. Zucker 37. Kind Fieberfrei, dafür hat Mona die ganze Nacht fürchterlich gehustet und ist heiß. Anke geht sich ausstrecken und hoffentlich lässt man sie schlafen!.

Ich habe alle Patienten, die ich behandelt hatte, in den PC eingetragen. Jetzt inspiziere ich die Schränke und schreib schon mal auf, was aus meiner Sicht dringend bestellt werden muss. Fast jede Schachtel wird aufgehoben, ebenso jeder Beipackzettel. Nur diejenigen, die auf dem Boden im Schrank gelegen hatten, werden weggeworfen. In die Beipackzettel werden die abgezählten Medikamente eingepackt und den Patienten mitgegeben, mit den Schachteln können die Kids Häuser…bauen. Dann sortiere ich die Medikamente nach Ablaufdatum, diejenigen, die schon lange abgelaufen sind, werden weggeworfen, nur 1 Notfallmedikament behalte ich trotzdem. Lieber etwas Altes als gar nichts.




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